Montag, 14. Dezember 2009

Abschlussbericht-MaZ auf den Philippinen

Lieber Herr Weihbischof König, lieber Ulrich Klauke,
liebe Unterstützer, Freunde und Interessierte,

nun bin ich schon vier Monate wieder in der Heimat und habe mich nach einer, manchmal etwas holprigen Anfangsphase schon ganz gut wieder eingelebt und an die deutschen Gesichter gewöhnt.
Die Frage, wie es war, habe ich mittlerweile zur Genüge hören müssen.
Die Antwort lässt sich allerdings nicht der Frage nach in drei Wörtern beschreiben, sondern manchmal hatte ich das Gefühl ich könnte ein ganzes Buch schreiben und das bereits schon nach einer Woche Aufenthalt auf den Philippinen.
Somit gesehen, war es wirklich kein Kinderspiel die Frage:“ Wie war es?“, auf eine zufriedenstellende Antwort zu minimieren. Die Meisten haben sich mit einem „Gut war es“ zufriedenstellen lassen und damit war dann auch die Sache erledigt.
Selbstverständlich lässt sich mein MaZ-Jahr nicht in einem Wort wie „gut“ zusammenfassen und bewerten.
Insbesondere kurz nach meiner Rückkehr nach Deutschland ist es mir manchmal sehr schwer gefallen mich in der deutschen Kultur wiederzufinden und mich mit ihr als meine eigene Kultur zu identifizieren, obwohl ich meine Herkunft sehr zu schätzen gelernt habe und eine große Dankbarkeit empfinde, das Glück zu besitzen in Deutschland geboren worden zu sein.
Aber nun möchte ich auf die Anfänge meines MaZ-Jahres kommen, die mittlerweile doch schon wieder lange zurückliegen, wenn ich darüber nachdenke, was ich im Laufe des letzten Jahres erlebt habe.
Am 20. August 2008 habe ich mich mit viel Energie, Motivation und Neugierde auf den langen Weg auf die Philippinen gemacht, der nicht endete als ich dort landete, sondern bis zum Rückflug weiterging. Denn bis ich das Land, die Kultur und die Sprache verstand, brauchte ich sehr viel Zeit, Geduld und Energie. Hinzufügend muss ich deutlich sagen, dass ich immer noch vieles nicht verstehe, in jeglicher Hinsicht und dies wahrscheinlich auch so bleiben wird, weil man doch irgendwie in seiner eigenen Kultur gefangen ist.
Der Weg/die Reise, der/die ich am 20. August 2008 begonnen habe war keineswegs immer „gut“ oder leicht, sondern es gab auch sehr viele Hügel, die ich mit großer Mühe erklimmen musste und dabei manchmal ganz schön aus der Puste war und am liebsten aufgegeben hätte. Denn nicht nur das Klima war schweißtreibend, sondern häufig zusätzlich die Atmosphäre in der ich bei den Schwestern Unserer Lieben Frau gelebt habe. Leider war es der Fall, dass die Schwestern untereinander viele Probleme hatten und somit alle anderen Mitbewohnerinnen (Lehrerinnen) im Konvent, wo ich mit Klara gelebt habe, darunter gelitten haben. Ich habe sehr schnell erkannt, dass Schwestern keine Engel sind, was mir sogar eine Schwester sehr deutlich gesagt hat und manchmal Dinge auch in die völlig entgegengesetzte Richtung laufen als man sie sonst von Schwestern in einer Mission erwarten würde.
Aber nun nochmal zurück zu den Anfängen meiner Reise. Meine Anfangsphase war sehr aufregend und interessant, da es so viel Neues zu entdecken gab. Leider wurde ich manchmal aufgrund meines Heimwehs daran gehindert mich völlig auf mein „neues Leben auf Zeit“ einzulassen, doch nach einigen Monaten oder fast einem halben Jahr konnte ich sagen, dass ich wirklich angekommen war. Aus diesem Grund bin ich sehr dankbar, dass ich ein ganzes Jahr zur Verfügung hatte, um viele Erfahrungen zu sammeln und tiefergehende Einblicke in die Kultur bekommen konnte.
Die kleinen Lichtblicke und augenscheinlich unbedeutsamen Blümchen am Wegesrand haben mir sehr häufig in schwierigen Phasen geholfen, denn die kleinen Dinge im Leben, sind die Dinge, die das Leben lebenswert machen und es zu einem kostbaren Geschenk werden lässt. Denn nur derjenige, der sich an der Einfachheit oder der unsagbar faszinierenden Natur beeindrucken lässt, sieht was wirklich wichtig ist im Leben. Das sind einfach Dinge, wie ein Kinderlächeln oder eine glückliche Umarmung. Leider fällt mir auf, dass man hier zurück in Deutschland viel zu selten auf diese Dinge achtet und auch ich ertappe mich wieder dabei, wie ich mich über Nebensächlichkeiten aufrege, was eigentlich völlig überflüssig wäre.
Wie gesagt, habe ich bei den Schwestern Unserer Lieben Frau gelebt und in deren Grundschule unterrichtet. Zunächst hatte ich einen relativ lockeren Tagesplan und habe mich überflüssig gefühlt. So wurde ich in Gelassenheit geübt und musste mich zunächst erst einmal darauf einlassen meine freie Zeit anders zu gestalten und auch mal zu faulenzen, wenn es einfach keine Arbeit gab oder man aufgrund klimatischer Bedingungen einen Mittagsschlaf machen sollte.
Nach einiger Zeit hatte ich mich dann an die philippinische Gelassenheit gewöhnt und die deutsche Hektik völlig abgelegt, was mir auf eine gewisse Weise sehr gut geholfen hat, die Kultur besser zu verstehen und den Alltag zu meistern.
Das Unterrichten in der Schule hat immer sehr viel Spaß gemacht, obwohl es täglich eine große Herausforderung war und ich häufiger am Ende meiner Ideen war, die Kinder zum Lernen zu motivieren oder wenigstens dazu zu bringen ruhig zu sitzen.
Die meisten Kinder zeigen Verhaltensauffälligkeiten aufgrund von familiären Problemen. Sehr viele Mütter arbeiten als ‚domestic helper‘ im Ausland und kehren höchstens einmal im Jahr heim. So wachsen die Kinder entweder bei ihren Vätern oder bei Verwandten auf. Manchmal ist es dann der Fall, dass sich Tanten um zehn Kinder kümmern müssen und da kann man sich vorstellen, dass einige Kinder vernachlässigt werden und ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, welche sie dann in der Schule suchen. Häufig brauchen sie Zuneigung und jemanden, der ihnen zuhört. Somit war ich während des Unterrichts viel häufiger mit Tränentrocknen, Streitschlichten oder ähnlichem beschäftigt als den Kindern fachliches beizubringen, was ich aber mit meiner Rolle als Missionarin auf Zeit besser vereinbaren konnte. Denn ich bin keine ausgebildete Lehrerin, wie die anderen Lehrerinnen, die in der Notre Dame Academy unterrichtet haben und denen ich mich deshalb auch immer untergeordnet habe.
Ich fand es immer sehr fraglich als richtige Lehrkraft eingesetzt zu werden, da ich ja eigentlich den einheimischen ausgebildeten Lehrerinnen die Arbeit weggenommen habe und ich mich dabei absolut nicht wohlgefühlt habe. Diese Frage stellte ich mir oft während meines ganzen Einsatzes und deshalb halte ich es für nicht angemessen, MaZ’lerInnen als Lehrkräfte einzusetzen, wenn es genügend ausgebildetes und qualifiziertes Lehrpersonal im Land gibt.
Aus diesem Grund würde ich die Stelle an der ich war nicht unbedingt als MaZ-Stelle weiterempfehlen, da es genug arbeitslose LehrerInnen auf den Philippinen gibt, die es viel nötiger hätten, arbeiten zu gehen. Sonst ist es ja einfach eine Einsparungsmaßnahme des Ordens und das halte ich nicht für den richtigen Weg.
Ich habe während meines MaZ-Jahres sehr viel Armut erlebt und das direkt vor unserer Haustür, was mich häufig zum Nachdenken gebracht hat und dazu führte, dass ich viel bewusster konsumiere. Dadurch wird einem erst so richtig bewusst, dass wir hier in Deutschland im absoluten Überfluss leben und man viel weniger zum Leben benötigt.
Insbesondere habe ich Wasser als kostbares Gut schätzen gelernt. In dem Gebiet wo ich gelebt habe, herrscht in der Trockenzeit absolute Wasserknappheit und man bedankt sich wirklich für jeden Regenschauer. Das Duschen nur mit einem Eimer und einer Kelle ist für mich schnell zur Gewohnheit geworden, aber das Wassereimer schleppen für jeden Tropfen Wasser den man benötigt, hat mir gezeigt, wie körperlich anstrengend es ist und wie sehr man auf seinen Wasserverbrauch achtet, damit auch andere noch genug Wasser haben.
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich all diese Erfahrungen machen durfte und gerade jetzt in der Adventszeit, wo sich vieles nur noch um den Konsum dreht, denke ich an meine Zeit auf den Philippinen zurück.
Doch nun bin ich wieder in Deutschland und versuche mit all dem, was ich erlebt und erfahren habe hier weiterzuleben und diese Erfahrungen in meinen Alltag einfließen zu lassen.
Insbesondere gegenüber Ausländern in Deutschland habe ich eine ganz andere Einstellung, denn ich habe selbst erfahren Ausländer in einem fremden Land zu sein, wo man häufig auch auf Unverständnis stößt, aufgrund der kulturellen Unterschiede und es nun für mich auch wieder ein angenehmes Gefühl ist „Eine von Vielen“ zu sein zu sein und nicht immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, nur weil ich „weiß“ bin.
Dennoch stehe ich noch häufig zwischen den Welten und weiß nicht genau, wie ich das alles vereinbaren soll.
Mittlerweile studiere ich Psychologie in Trier und werde nächstes Jahr wieder für drei Wochen auf die Philippinen fliegen, denn das Fernweh und die Sehnsucht nach meiner zweiten Heimat sind schon sehr stark.
Ich möchte mich nochmal ganz herzlich für das Interesse und die Unterstützung in jeglicher Form bedanken.
Ich wünsche allen eine besinnliche Adventszeit und ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest.
Zum Schluss noch ein Gedanke, der sehr schön die philippinische Kultur beschreibt.
„Wenn du nichts Gutes über einen anderen zu sagen weißt, sage überhaupt nichts.“
(Philippinische Weisheit)
[Ijob 11,1-5.13-20]
Herzliche Grüße
Theresa Stümpel

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