Freitag, 17. Juli 2009

4.Rundbrief von den Philippinen

Liebe Freunde, Verwandte, Bekannte und Unterstuetzer,

nun sind mittlerweile fast 11 Monate meines MaZ-Jahres hier auf den Philippinen vergangen und dies wird mein vorerst letzter Rundbrief von hier sein.
Es ist fast unvorstellbar, dass mein MaZ-Jahr nun mit rasenden Schritten dem Ende zugeht, denn ich kann mich noch ganz genau an den Tag erinnern als ich hier angekommen bin.
Daher versuche ich nun noch jeden Tag voll zu geniessen und den Abschied ein wenig zu verdraengen.
Aus diesem Grund moechte ich auch zunaechst noch einmal von meinen letzten Monaten hier berichten.
Meinen letzten Rundbrief hatte ich im April verfasst als bereits die Sommerferien begonnen hatten.
Ein spannendes Ereignis Ende April war das Manggahan-Festival (Mangga-Mango) in der „Hauptstadt“ von Guimaras.
Aus diesem Anlass wurde der gesamte Vorplatz des „Rathauses“ neu gestaltet und modernisiert. Es wurden unzaehlige neue Verkaufsstaende (Bambushuettchen) aufgebaut, vergleichbar mit einer Kirmes in Deutschland nur eben auf philippinsche Art. Neben Mangos (selbstverstaendlich von Guimaras!) wurden andere heimische Inselprodukte angeboten und ich war wirklich beeindruckt, dass es so viele tolle Dinge hier gibt von denen ich vorher nicht wusste.
Darueber hinaus wurde typisch philippinsche kulinarische Kueche angeboten.
Wir hatten das Glueck an dem Abschlusstag teilzunehmen, an dem jede „Gemeinde“ eine grosse Tanzvorstellung hatte. Einige Gruppen bestanden aus mehr als 100 Personen und stellten mit beeindruckender Kulisse und Kostuemen die Mangoernte, die Entstehung der Insel und aehnliches dar. Es war ein sehr atemberaubendes Schauspiel und die Gemeinde, in der ich lebe, hat den zweiten Platz gemacht, was wirklich sehr schoen ist, da diese noch die neueste, unorganisierteste und aermste Region ist.
Allerdings kann man hier nie mit dem Wetter planen und natuerlich faengt es dann ganz ploetzlich wie aus Eimern an zu regnen, sodass man innerhalb von einer Minute komplett durchnaesst war. Also wurden die Wahlplakate, die vorher als Sonnenschutz gedient haben schnell zu Regenschirmen umfunktioniert und das Schauspiel ging weiter. Nach den ganzen Vorstellungen haben alle Gruppen zusammen im Regen zu Trommelklaengen getanzt, das war wirklich faszinierend.
Leider hat dieses Festival auch einige Schattenseiten. Denn das Festival hat mehrere Millionen Peso gekostet, woraufhin die Gehaelter der Mitarbeiter gekuerzt wurden. Dies ist hier ein haeufiges Problem und Gehaelterkuerzungen sind bei solchen Angelegenheiten an der Tagesordnung.
Anfang Mai haben wir, Klara und ich, uns auf den Weg nach Davao, der „Hauptstadt“ von Mindanao gemacht, um dort zwei andere MaZ-lerinnen zu treffen.
Wir hatten dort eine schoene gemeinsame Zeit zum Austausch, deutsches Essen zu kochen und geniessen und einfach mal wieder Deutsche zu sein, was echt entspannend war.
Die letzten zwei Wochen im Mai war „Summerclass“, das heisst freiwilliger Unterricht fuer Schueler anderer oeffentlicher Schulen und Notre-Dame-Schueler. Klara und ich waren die Verantwortlichen fuer die Aeltesten zwischen 10 und 13 Jahren. Es waren zwei wirklich schoene Wochen, denn das Unterrichten hat sehr viel Spass gemacht, vor allem weil wir selbststaendig entscheiden konnten, was wir mit den Kindern machen wollten.
Die Atmosphaere war sehr entspannend, da kein Lerndruck herrschte und die Klassenstruktur nicht bestand.
Darueber hinaus haben wir zusammen mit den Schuelern entschieden, was sie gerne lernen moechten und ich glaube, dass wir ihnen einiges uebermitteln konnten und sie die Zeit genossen haben, da es ja freiwillig war.
Es war ein bisschen schade, dass die Zeit so kurz war und dass wir nicht oefter die Moeglichkeit hatten auf diese Weise zu unterrichten.
Zu Beginn des Sommerunterrichts kamen zwei 12-jaehrige Maedchen zur Schule, von denen eine nur ca. zwei Jahre zur Grundschule gegangen ist und die andere noch nie. Wie man sich vorstellen kann, war es fuer die beiden sehr schwer sich an den Schulalltag zu gewoehnen und vor allem getrennt von ihrer Familie zu sein, da sie im Konvent gewohnt haben. Leider sind sie nach zwei Wochen wieder gegangen.
Die Analphabetenrate hier auf den Philippinen ist nicht sehr hoch und liegt bei ca. 7%. Allerdings liegt das Problem darin, dass viele nur ein paar Jahre die Grundschule besuchen und diese nicht beenden oder fuer laengere Zeit unterbrechen und arbeiten gehen!
Des Weiteren faellt es in oeffentlichen Schulen haeufig nicht auf, ob ein Kind nun lesen und schreiben kann oder nicht, da die durchschnittliche Klassenstaerke nie unter 50 Schuelern pro Klasse liegt.
Im Juni fing dann der regulaere Unterricht wieder an. Seitdem sind wir keine Lehrerinnen mehr, da die Schule nun genug Lehrer hat und ausserdem die Zeit zu kurz war, um noch einmal zu unterrichten.
So konnte ich meine letzte Zeit ein bisschen freier gestalten.
In der Schule haben wir noch einen Zahnputztag gemacht. Sodass sich nun alle Kinder taeglich nach dem Mittagessen die Zaehne in der Schule putzen.
Es war wirklich erschreckend zu sehen wie schlecht die Zaehne einiger Kinder sind. Bei einigen waren keine Zaehne mehr erkennbar, sondern nur schwarze verfaulte Stuempfe! Ich befuerchte, dass einige zum ersten Mal eine Zahnbuerste mit Zahnpasta benutzt haben, aber den Kindern hat es Spass gemacht.
Derzeit ist hier die Regenzeit angebrochen und es regnet taeglich. Die Strassen haben sich wieder in Schlammpisten verwandelt und aufgrund von Taifunen kann man nicht immer genau planen, wann und ob man in die Stadt fahren kann oder wieder von dort nach Guimaras zurueckkommt. Von Trockenheit kann man nun wirklich nicht mehr reden und die Natur erleuchtet in einem wunderschoenen Gruen.
Nun sind meine Tage wirklich gezaehlt, denn genau in einer Woche heisst es Abschiednehmen. Am Dienstag findet in der Schule ein „Ernaehrungstag“ statt, denn der Juli ist der Ernaehrungsmonat. An diesem Tag werden wir uns von den Kindern und Guimaras verabschieden, was wir mir sicherlich nicht leicht fallen wird!
Klara und ich werden noch fuer 10 Tage nach Indonesien fliegen und die Schwestern und deren Projekte dort besuchen. Da die Schwestern hier auf den Philippinen „Missionare“ von Indonesien sind und sie uns eingeladen haben ihre Heimat kennenzulernen.
Danach werde ich mich auf die Heimreise machen und ich freue mich natuerlich sehr auf meine Heimat. Dennoch wird mir der Abschied sehr schwerfallen und ich bin mir sicher, dass ich wieder hierher zurueckkommen werde, denn die Philippinen sind fuer mich eine zweite Heimat geworden.
Da ich meine letzten Tage noch geniessen moechte, ist es hoffentlich verstaendlich, wenn dieser Rundbrief etwas knapper ausfaellt.
Ich werde einen letzten Abschlussbericht aus Deutschland schicken und wenn ich wieder daheim bin, koennt ihr so viele Fragen stellen wie ihr moegt! Ich freue mich ueber jede einzelne!

Nun wirklich zum letzten Mal,
ganz viele liebe Gruesse von den Philippinen

Theresa Stuempel

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