Samstag, 13. September 2008

1.Rundbrief

von den Philippinen

Mabuhay an alle Interessierten, Unterstützer und Freunde,
jetzt bin ich schon über drei Wochen auf den Philippinen und möchte erstmal berichten, was ich bisher schon alles erlebt habe. Die Zeit verging wie im Flug, weil es jeden Tag etwas spannendes zu entdecken gab. Ich erzähle jetzt zunächst erst etwas von meinem Leben hier.
Ich bin am Freitag, den 22.08.2008 in Iloilo angekommen. Iloilo ist eine große Stadt, wo mittlerweile 3 indonesische Schwestern leben. Der Konvent wurde im Jahre 2005 errichtet und ist das Ausbildungshaus der Schwestern Unserer Lieben Frau in den Philippinen. Die Schwestern haben dort auch Internetzugang, sodass ich am Wochenende häufig dorthin kommen werde, um Emails zu schreiben und das Wochenende zu geniessen. Außerdem kann man dort das einkaufen, was man auf Guimaras nicht findet. In den “Malls” hier kann man wirklich alles kaufen, was man in Deutschland auch kaufen kann.
Meine ersten Tage habe ich in Iloilo verbracht, weil Sr. Elisa, die auf den Philippinen die Provinzoberin ist, noch in Manila beschäftigt war.
Danach war ich eine Woche in Antique, das ist eine Stadt zwei Stunden von Iloilo entfernt. Der Weg dorthin geht durch “Berge” und besteht eigentlich nur aus Kurven, sodass einem ganz flau im Magen wurde. Dort habe ich dann an einemVorbereitungsseminar von einer anderen Freiwilligenorganisation teilgenommen. Wir haben dort in einer Bambushütte auf Bambusmatten geschlafen, was für mich eine völlig neue und interessante Erfahrung war. Ich habe mich auch erstaunlicherweise sehr schnell daran gewöhnt. Hier ist es übrigens normal, dass man sich nur mit einem Eimer und einem Schüsselchen duscht. Das geht mit der Zeit schon immer besser und schneller. Morgens ist das Wasser zwar kalt, aber auch eine schöne Erfrischung, da es meistens heiss ist. Dennoch sehne ich mich manchmal nach einer schönen Dusche :-) . Aber das gehört hier zum Leben einfach dazu.
Nach der Woche in Antique bin ich endlich nach Guimaras gezogen. Denn es war schon sehr mühsam, die ganze Zeit aus Koffern zu leben und sich nicht richtig einleben zu können. Allerdings habe ich mich so besser in die Englische Sprache reingefunden, da der Kurs auf Englisch stattfand.
Von Iloilo benötigt man ungefähr zwei Stunden, wenn man mit dem “Van” der Schwestern fährt. Sonst ist das abhängig davon, wie lange man auf einen Jeepney (eine Art Bus) warten muß.

Ein Symbol des Personentransportes für die Philippinen, das Jeepney.

Die Fahrt von Iloilo mit dem “Pumpboat” dauert ca. 20 Minuten, das ist natürlich auch wetterabhängig. Es macht echt Spass und ich genieße es jedes Mal, wenn mir der Wind um die Nase weht und ein bisschen Wasser ins Gesicht spritzt. Beim ersten Mal war ich schon ein bisschen skeptisch, weil es nicht wirklich sicher aussieht.

Pumpboat von Iloilo nach Guimaras (Foto: Robert J. Hammerslag)

Vom Hafen in Guimaras benötigt man mit dem “Van” bis zum Konvent ca. 45 Minuten. Zunächst sind die Strassen noch geteert, aber in dem Distrikt, wo ich lebe (Sibunag) gibt es keine geteerten Strassen, sodass die Fahrt wirklich zur Slalomfahrt wird und man kräftig durchgeschüttelt wird. Ich hab immer das Gefühl, dass wir viel zu schnell fahren, aber es sind meist nur 40 km/h, weil man hier einfach nicht schneller fahren kann und wenn es regnet fährt man regelrecht durch Seen und Flüsse. Ich soll hier auch Autofahren lernen, weil man hier ohne Auto manchmal echt aufgeschmissen ist. Der Konvent liegt sehr abgeschieden, aber dafür voll im Grünen. Das ist hier wirklich ein kleines Paradies. Überall findet man Kokonusspalmen, Bananenbäume, Papayapalmen und ganz viele bunte Blumen. Es ist hier wirklich eine grüne Oase. Man kann das Meer sehen, wenn man aus dem Fenster schaut und es ist einfach fantastisch.
Die Schwestern besitzen hier ein grosses Grundstück und ca. 5 Gehminuten von dem Konvent entfernt liegt die Schule. In dem Konvent leben 3 Schwestern, 5 Lehrerinnen und wir 2 MaZ’lerinnen. Außerdem leben hier ganz viele Hühner und Hähne, die jeden Morgen ab ca. 4 Uhr krähen bis endlich alle wach sind.
Die “Elementary school” befindet sich auch hier auf dem Gelaende. Sie umfasst 5 Klassenräume und ist sehr liebevoll eingerichtet. Hier wird wirklich alles dafür getan, den Schülern und Schülerinnen eine schöne Lernatmosphäre mit einfachen Mitteln zu gestalten. Zusätzlich besitzt die Schule eine kleine Bibliothek, wo die Schüler häufig in den Pausen lesen und sich Bücher für den Unterricht ausleihen.
Die “Elemantary school” umfasst 5 Jahrgangsstufen und hier sind glücklicherweise die Klassen sehr klein, sodass auf jeden Schüler einzeln eingegangen werden kann. Die grösste Klasse umfasst 12 Schüler. Außerdem sind im Konvent noch der Kindergarten und die Vorschule untergebracht, weil die Schule keinen Raum mehr frei hatte. Die Kinder sind dort zwischen 4 und 5 Jahren alt und lernen dort einfache englische Begriffe. Die erste Gruppe ist von 7.45 Uhr bis 11 Uhr dort und die zweite Gruppe von 13 Uhr bis 16 Uhr. Die Kinder werden von einer Schwester unterrichtet. In der Schule unterrichten Lehrerinnen, die hier von Guimaras kommen und aus sehr armen Familien stammen. Diese erhalten einen geringen Lohn und können dafür hier im Konvent leben und bekommen hier Essen. Das Problem ist dabei allerdings, dass die Frauen hier fast ihren ganzen Lohn an ihre Familien abgeben müssen, sodass sie häufig nicht mehr genug Geld haben, um in die Stadt zu fahren oder am Wochenende zu ihren Familien zu fahren. Die Lehrerinnen dürfen keine eigene Familie haben, wenn sie hier unterrichten,weil sie sich völlig auf ihre Aufgaben in der Schule konzentrieren sollen.
Der Unterricht beginnt morgens um 7.45 Uhr mit dem Fahne hissen und etwas Morgensport und endet um 16.15 Uhr. Am Vormittag haben die Kinder eine Pause von 20 Minuten und dann ab 11 Uhr bis 13 Uhr Mittagspause. Sie essen dann in der Schule und müssen sich dafür Essen von Zuhause mitbringen. Manche Schüler bekommen nicht genug Essen von ihren Eltern, sodass sie von den Schwestern etwas bekommen. Das soll allerdings nicht die Regel sein, denn Sr. Elisa, die Schulleiterin, steht ständig im Kontakt mit den Eltern und besucht sie regelmässig und es finden auch regelmässige Treffen mit den Eltern statt, wo solche Dinge angesprochen werden. Häufig können die Eltern auch nicht das Schulgeld bezahlen. Wenn das nicht geschieht bekommen die Schüler nicht ihr Examen und manchmal wird dann anstatt Schulgeld den Schwestern ein Huhn geschenkt. Deshalb gibt es hier so viele und sie sind gerade dabei sie zu züchten. Übrigens holen hier die Väter ihre Kinder von der Schule ab, weil meist die Frauen arbeiten gehen.
Sr. Elisa hat erzählt, dass die Eltern sehr viel von ihren Kindern lernen und die Kinder sogar manchmal ihre Eltern darum bitten mit ihnen in die Kirche zu gehen oder ihnen die Kleidung zu waschen. Denn das wird den Kindern hier auch beigebracht, dass sie morgens gewaschen und mit sauberer Kleidung zur Schule kommen sollen. Zudem wird ihnen gesagt, dass man alles sauber halten muss und es gibt einen regelmäßigen Putzdienst. Der ist hier auch sehr wichtig, da alles sehr offen ist und der Boden sehr staubig ist.
Die Lernatmosphäre hab ich als sehr angenehm empfunden und die Kinder sind einfach total süß und lassen das Heimweh wirklich vergessen.
In den Klassen sind sehr große Entwicklungsunterschiede und Bildungsstände vorzufinden. In der 2. Klasse beispielsweise können nur ganz wenige Schüler Englisch, aber eine Schülerin spricht fasst fliessend Englisch, weil sie Zuhause auch nur Englisch spricht. Andere Schüler sprechen Zuhause überhaupt kein Englisch, weil die Eltern auch kein Englisch sprechen. Bemerkenswert finde ich dabei aber, dass sich die Kinder wirklich untereinander helfen und dann übersetzen. Das halte ich für sehr sinnvoll und sogar besser, als wenn die Lehrerin immer helfen muss. Ich versuche mich auch schon in meinen ersten Worten auf Ilongo, aber es sind wirklich nur Versuche!
Am Mittwoch war mein “erster Schultag” und es hat richtig Spass gemacht, obwohl es schon sehr anstrengend war. Da alle Klassen eine Lehrerin haben, unterrichten wir beiden MaZ’lerinnen Mape, das bedeutet Musik, Kunst und Sport. Am Montag unterrichten wir Musik in allen Klassen, mittwochs Kunst und freitags Sport. Sodass wir immer einen Tag zwischendurch Pause haben, um den Unterricht vorzubereiten, Wäsche zu waschen, was anfangs sehr mühsam war, weil ich noch nie so viel mit der Hand gewaschen habe, zu Putzen und eine kleine Pause zu machen. An den freien Tagen gehen wir außerdem in die Bibliothek und helfen den Schülern, falls sie Hilfe beim Lesen benötigen oder wir sorgen dafür das alles ordentlich ist. Das ist für den Anfang echt sehr angenehm. Zunächst unterrichten wir beiden zusammen, aber auf die Dauer werden wir uns wahrscheinlich aufteilen. Ich bin schon ganz gespannt, was ich noch alles machen werde. Vielleicht werde ich später Klavierunterricht geben, denn einige Schüler haben schon gefragt und die Schwestern haben hier im Konvent ein Keyboard, was ich sehr schön finde.
Im Musikunterricht werden wir auch Blockflötenunterricht geben. Nochmal ganz vielen herzlichen Dank für die vielen Spenden. Hier werden sie wirklich gut gebraucht und die Lehrerinnen möchten das auch lernen, sodass es auf die Dauer auch weitergeführt werden kann. Am Wochenende fahren die Schwestern manchmal zu den Familien und besuchen diese, um die Verhältnisse der Schüler zu verstehen und ihnen bei möglichen Problemen zu helfen. Denn viele Eltern kümmern sich nicht um ihre Kinder oder die Kinder leben bei ihren Großeltern oder Verwandten, weil die Mütter häufig im Ausland arbeiten und ihre ganze Familie hier allein lassen und immer nur das Geld schicken, was für alle Beteiligten sehr schwer ist. Allerdings sehen die Familien, die hier zurückbleiben nur das Geld und nicht die harte und manchmal auch schreckliche Arbeit, die dahinter steckt.
Jetzt möchte ich aber nochmal auf meinen typischen Tagesablauf zurückkommen. Morgens wird man wie gesagt sehr früh wach, spätestens gegen 5 oder halb 6. Dann steh ich auf und “dusche”, was zurzeit noch relativ lange dauert :-). Danach gibt es um 6.30 Uhr Frühstück und dann beginnt der Unterricht für mich um 9 Uhr bis um 16 Uhr. Danach ist man meist sehr müde und erledigt noch die nötigsten Dinge...und um 17 Uhr ist Abendgebet, wo ich regelmäßig dran teilnehme. Wir machen das auch häufig auf dem Balkon mit Blick aufs Meer, was ich sehr geniesse.
Hier wird es abends sehr früh dunkel (ca. 18 Uhr), sodass man einfach so früh aufstehen muss, weil man sonst nichts mehr vom Tag hat und hier ganz oft Stromausfall ist und man dann noch eher müde wird, wenn man nur Kerzenlicht hat. Das Candelight-dinner finde ich aber sehr schön und romantisch :-) .
Ich hoffe, dass jetzt ein kleiner Eindruck von meinem Leben hier entstanden ist, was wirklich komplett anders ist als mein Leben in Deutschland.
Man benötigt eine sehr lange Zeit bis man sich daran gewöhnen kann und man denkt immer, dass es viel schneller geht. Besonders die Hitze hier hat mir anfangs sehr zu schaffen gemacht. Ich hab ständig geschwitzt und das Duschen hat überhaupt nichts gebracht. Die Luft hier ist sehr schwül und feucht, das ist auch sehr ungewohnt. Normalerweise ist es im August und September nicht so heiss, weil dann die Regenzeit ist. Hier auf Guimaras mußten wir die ersten Tage immer Wasser von einem Wassertank holen, was sehr anstrengend war und auch wirklich gewöhnungsbedürftig. Ich weiss nicht wie oft ich den Wasserhahn aufgemacht hab und die Toilettenspülung benutzen wollte, aber einfach kein Wasser aus der Leitung kam. In den letzten Tagen ist es ein bisschen kühler geworden und da der Konvent auf einem Hügel liegt und hier ganz viele Fenster sind, ist es hier angenehmer geworden. Vielleicht habe ich mich aber auch so langsam an die Hitze hier gewöhnt, aber ich kann mir nicht vorstellen hier jemals Jeans tragen zu können, was hier alle Philippinos tragen, echt unglaublich. Glücklicherweise schwitzen die Philippinos genauso und ich falle nicht dadurch auf, dass ich so viel schwitze.
Ich versuche jetzt ein bisschen auf die Kultur und die Menschen einzugehen, obwohl das am Anfang noch sehr schwer ist. Aber ich beschreibe einfach meine ersten Eindrücke.
Als ich hier angekommen bin, war ich richtig erschrocken über die Armut in Iloilo und die Wohnsituation. Man stellt sich das immer alles ganz anders vor. Die Stadt insgesamt ist meiner Empfindung nach sehr dreckig und völlig mit Abgasen verpestet. Hier fahren sehr viele Jeepneys und Tricycles herum, nach für mich unerklärlichen Regeln. Da ich hier fast die

Tricycle, ein 125ccm Gefährt für kurze Strecken auf den Philippinen

Größte bin, muss ich in den Tricycles häufig den Kopf einziehen :-) . Man hört eigentlich nur ständiges Gehupe und als ich das erste Mal mit dem Jeepney gefahren bin, habe ich gedacht, dass ich niemals alleine damit klar kommen werde. Die Stadt ist echt verwirrend. Aber mittlerweile bin ich schon einmal alleine gefahren und es hat super geklappt, obwohl ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass ich falsch bin. Irgendwie sieht für mich hier alles gleich aus. Aber das wird sich bestimmt bald ändern.
Die Menschen, denen man auf der Straße begegnet, sieht man die Armut absolut nicht an. Hier in Guimaras ist das schon anders, allerdings sind die Menschen hier auch noch viel ärmer.Wenn man hinter die Fassade schaut, sieht man, dass sie häufig nur in einer Bambushütte wohnen und nicht genug Geld für Nahrung haben. Aber jeder hat hier ein Handy. Das ist wirklich unglaublich, egal wie arm oder reich. Unglaublich finde ich auch, dass sie in ihren Bambushütten Musikanlagen und Kühlschraenke haben, aber kein Geld fuer Bildung und Nahrung. Das finde ich wirklich schade.
Die Menschen sind aber sehr gastfreundlich und wirklich super nett und interessiert.
Ich fühle mich hier voll aufgenommen, insbesondere auch von den Schwestern, die sich wirklich sehr um uns kümmern und wir echt viel Spass zusammen haben.
Zum Essen gibt hier es eigentlich gar nicht viel zu sagen! Morgens, mittags und abends gibt es normalerweise Reis mit Fisch, Hühnchen oder anderes Fleisch. Das ist das typisch philippinische Essen. Die Schwestern kochen allerdings häufig auch indonesisch und somit essen wir hier auch viel Gemüse, was sehr lecker gewürzt ist. Ganz wichtig zu erwaehnen sind die Bananen, die ich jeden Tag esse und von denen es sehr viele unterschiedliche Sorten gibt. Sie sind einfach köstlich. Die Mangos hier auf Guimaras hab ich noch nicht probiert, weil gerade keine Mangosaison ist, aber die Papayas und Avocados natürlich schon.
Ich möchte jetzt langsam zum Ende kommen, weil ich das nächste Mal ja auch noch etwas schreiben möchte. Hier gibt es noch so viele Dinge, ueber die ich schreiben kann, aber ich möchte mir erstmal noch ein besseres Bild davon machen und werde dann im nächsten Rundbrief mehr auf die Kultur, die Lebensweise und die Probleme der Philippinos eingehen. Natürlich freue ich mich über Briefe und Emails und werde auf jeden Fall alle beantworten, auch wenn es manchmal etwas länger dauert! Halong! (“take care”-ganz wichtig hier in den Philippinen)
Ich schicke viele liebe sonnige Grüße nach Deutschland
Theresa Stümpel

Red. Text wurde an deutsche Umlaute angepasst.

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