Montag, 14. Dezember 2009

Abschlussbericht-MaZ auf den Philippinen

Lieber Herr Weihbischof König, lieber Ulrich Klauke,
liebe Unterstützer, Freunde und Interessierte,

nun bin ich schon vier Monate wieder in der Heimat und habe mich nach einer, manchmal etwas holprigen Anfangsphase schon ganz gut wieder eingelebt und an die deutschen Gesichter gewöhnt.
Die Frage, wie es war, habe ich mittlerweile zur Genüge hören müssen.
Die Antwort lässt sich allerdings nicht der Frage nach in drei Wörtern beschreiben, sondern manchmal hatte ich das Gefühl ich könnte ein ganzes Buch schreiben und das bereits schon nach einer Woche Aufenthalt auf den Philippinen.
Somit gesehen, war es wirklich kein Kinderspiel die Frage:“ Wie war es?“, auf eine zufriedenstellende Antwort zu minimieren. Die Meisten haben sich mit einem „Gut war es“ zufriedenstellen lassen und damit war dann auch die Sache erledigt.
Selbstverständlich lässt sich mein MaZ-Jahr nicht in einem Wort wie „gut“ zusammenfassen und bewerten.
Insbesondere kurz nach meiner Rückkehr nach Deutschland ist es mir manchmal sehr schwer gefallen mich in der deutschen Kultur wiederzufinden und mich mit ihr als meine eigene Kultur zu identifizieren, obwohl ich meine Herkunft sehr zu schätzen gelernt habe und eine große Dankbarkeit empfinde, das Glück zu besitzen in Deutschland geboren worden zu sein.
Aber nun möchte ich auf die Anfänge meines MaZ-Jahres kommen, die mittlerweile doch schon wieder lange zurückliegen, wenn ich darüber nachdenke, was ich im Laufe des letzten Jahres erlebt habe.
Am 20. August 2008 habe ich mich mit viel Energie, Motivation und Neugierde auf den langen Weg auf die Philippinen gemacht, der nicht endete als ich dort landete, sondern bis zum Rückflug weiterging. Denn bis ich das Land, die Kultur und die Sprache verstand, brauchte ich sehr viel Zeit, Geduld und Energie. Hinzufügend muss ich deutlich sagen, dass ich immer noch vieles nicht verstehe, in jeglicher Hinsicht und dies wahrscheinlich auch so bleiben wird, weil man doch irgendwie in seiner eigenen Kultur gefangen ist.
Der Weg/die Reise, der/die ich am 20. August 2008 begonnen habe war keineswegs immer „gut“ oder leicht, sondern es gab auch sehr viele Hügel, die ich mit großer Mühe erklimmen musste und dabei manchmal ganz schön aus der Puste war und am liebsten aufgegeben hätte. Denn nicht nur das Klima war schweißtreibend, sondern häufig zusätzlich die Atmosphäre in der ich bei den Schwestern Unserer Lieben Frau gelebt habe. Leider war es der Fall, dass die Schwestern untereinander viele Probleme hatten und somit alle anderen Mitbewohnerinnen (Lehrerinnen) im Konvent, wo ich mit Klara gelebt habe, darunter gelitten haben. Ich habe sehr schnell erkannt, dass Schwestern keine Engel sind, was mir sogar eine Schwester sehr deutlich gesagt hat und manchmal Dinge auch in die völlig entgegengesetzte Richtung laufen als man sie sonst von Schwestern in einer Mission erwarten würde.
Aber nun nochmal zurück zu den Anfängen meiner Reise. Meine Anfangsphase war sehr aufregend und interessant, da es so viel Neues zu entdecken gab. Leider wurde ich manchmal aufgrund meines Heimwehs daran gehindert mich völlig auf mein „neues Leben auf Zeit“ einzulassen, doch nach einigen Monaten oder fast einem halben Jahr konnte ich sagen, dass ich wirklich angekommen war. Aus diesem Grund bin ich sehr dankbar, dass ich ein ganzes Jahr zur Verfügung hatte, um viele Erfahrungen zu sammeln und tiefergehende Einblicke in die Kultur bekommen konnte.
Die kleinen Lichtblicke und augenscheinlich unbedeutsamen Blümchen am Wegesrand haben mir sehr häufig in schwierigen Phasen geholfen, denn die kleinen Dinge im Leben, sind die Dinge, die das Leben lebenswert machen und es zu einem kostbaren Geschenk werden lässt. Denn nur derjenige, der sich an der Einfachheit oder der unsagbar faszinierenden Natur beeindrucken lässt, sieht was wirklich wichtig ist im Leben. Das sind einfach Dinge, wie ein Kinderlächeln oder eine glückliche Umarmung. Leider fällt mir auf, dass man hier zurück in Deutschland viel zu selten auf diese Dinge achtet und auch ich ertappe mich wieder dabei, wie ich mich über Nebensächlichkeiten aufrege, was eigentlich völlig überflüssig wäre.
Wie gesagt, habe ich bei den Schwestern Unserer Lieben Frau gelebt und in deren Grundschule unterrichtet. Zunächst hatte ich einen relativ lockeren Tagesplan und habe mich überflüssig gefühlt. So wurde ich in Gelassenheit geübt und musste mich zunächst erst einmal darauf einlassen meine freie Zeit anders zu gestalten und auch mal zu faulenzen, wenn es einfach keine Arbeit gab oder man aufgrund klimatischer Bedingungen einen Mittagsschlaf machen sollte.
Nach einiger Zeit hatte ich mich dann an die philippinische Gelassenheit gewöhnt und die deutsche Hektik völlig abgelegt, was mir auf eine gewisse Weise sehr gut geholfen hat, die Kultur besser zu verstehen und den Alltag zu meistern.
Das Unterrichten in der Schule hat immer sehr viel Spaß gemacht, obwohl es täglich eine große Herausforderung war und ich häufiger am Ende meiner Ideen war, die Kinder zum Lernen zu motivieren oder wenigstens dazu zu bringen ruhig zu sitzen.
Die meisten Kinder zeigen Verhaltensauffälligkeiten aufgrund von familiären Problemen. Sehr viele Mütter arbeiten als ‚domestic helper‘ im Ausland und kehren höchstens einmal im Jahr heim. So wachsen die Kinder entweder bei ihren Vätern oder bei Verwandten auf. Manchmal ist es dann der Fall, dass sich Tanten um zehn Kinder kümmern müssen und da kann man sich vorstellen, dass einige Kinder vernachlässigt werden und ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, welche sie dann in der Schule suchen. Häufig brauchen sie Zuneigung und jemanden, der ihnen zuhört. Somit war ich während des Unterrichts viel häufiger mit Tränentrocknen, Streitschlichten oder ähnlichem beschäftigt als den Kindern fachliches beizubringen, was ich aber mit meiner Rolle als Missionarin auf Zeit besser vereinbaren konnte. Denn ich bin keine ausgebildete Lehrerin, wie die anderen Lehrerinnen, die in der Notre Dame Academy unterrichtet haben und denen ich mich deshalb auch immer untergeordnet habe.
Ich fand es immer sehr fraglich als richtige Lehrkraft eingesetzt zu werden, da ich ja eigentlich den einheimischen ausgebildeten Lehrerinnen die Arbeit weggenommen habe und ich mich dabei absolut nicht wohlgefühlt habe. Diese Frage stellte ich mir oft während meines ganzen Einsatzes und deshalb halte ich es für nicht angemessen, MaZ’lerInnen als Lehrkräfte einzusetzen, wenn es genügend ausgebildetes und qualifiziertes Lehrpersonal im Land gibt.
Aus diesem Grund würde ich die Stelle an der ich war nicht unbedingt als MaZ-Stelle weiterempfehlen, da es genug arbeitslose LehrerInnen auf den Philippinen gibt, die es viel nötiger hätten, arbeiten zu gehen. Sonst ist es ja einfach eine Einsparungsmaßnahme des Ordens und das halte ich nicht für den richtigen Weg.
Ich habe während meines MaZ-Jahres sehr viel Armut erlebt und das direkt vor unserer Haustür, was mich häufig zum Nachdenken gebracht hat und dazu führte, dass ich viel bewusster konsumiere. Dadurch wird einem erst so richtig bewusst, dass wir hier in Deutschland im absoluten Überfluss leben und man viel weniger zum Leben benötigt.
Insbesondere habe ich Wasser als kostbares Gut schätzen gelernt. In dem Gebiet wo ich gelebt habe, herrscht in der Trockenzeit absolute Wasserknappheit und man bedankt sich wirklich für jeden Regenschauer. Das Duschen nur mit einem Eimer und einer Kelle ist für mich schnell zur Gewohnheit geworden, aber das Wassereimer schleppen für jeden Tropfen Wasser den man benötigt, hat mir gezeigt, wie körperlich anstrengend es ist und wie sehr man auf seinen Wasserverbrauch achtet, damit auch andere noch genug Wasser haben.
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich all diese Erfahrungen machen durfte und gerade jetzt in der Adventszeit, wo sich vieles nur noch um den Konsum dreht, denke ich an meine Zeit auf den Philippinen zurück.
Doch nun bin ich wieder in Deutschland und versuche mit all dem, was ich erlebt und erfahren habe hier weiterzuleben und diese Erfahrungen in meinen Alltag einfließen zu lassen.
Insbesondere gegenüber Ausländern in Deutschland habe ich eine ganz andere Einstellung, denn ich habe selbst erfahren Ausländer in einem fremden Land zu sein, wo man häufig auch auf Unverständnis stößt, aufgrund der kulturellen Unterschiede und es nun für mich auch wieder ein angenehmes Gefühl ist „Eine von Vielen“ zu sein zu sein und nicht immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, nur weil ich „weiß“ bin.
Dennoch stehe ich noch häufig zwischen den Welten und weiß nicht genau, wie ich das alles vereinbaren soll.
Mittlerweile studiere ich Psychologie in Trier und werde nächstes Jahr wieder für drei Wochen auf die Philippinen fliegen, denn das Fernweh und die Sehnsucht nach meiner zweiten Heimat sind schon sehr stark.
Ich möchte mich nochmal ganz herzlich für das Interesse und die Unterstützung in jeglicher Form bedanken.
Ich wünsche allen eine besinnliche Adventszeit und ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest.
Zum Schluss noch ein Gedanke, der sehr schön die philippinische Kultur beschreibt.
„Wenn du nichts Gutes über einen anderen zu sagen weißt, sage überhaupt nichts.“
(Philippinische Weisheit)
[Ijob 11,1-5.13-20]
Herzliche Grüße
Theresa Stümpel

Freitag, 17. Juli 2009

4.Rundbrief von den Philippinen

Liebe Freunde, Verwandte, Bekannte und Unterstuetzer,

nun sind mittlerweile fast 11 Monate meines MaZ-Jahres hier auf den Philippinen vergangen und dies wird mein vorerst letzter Rundbrief von hier sein.
Es ist fast unvorstellbar, dass mein MaZ-Jahr nun mit rasenden Schritten dem Ende zugeht, denn ich kann mich noch ganz genau an den Tag erinnern als ich hier angekommen bin.
Daher versuche ich nun noch jeden Tag voll zu geniessen und den Abschied ein wenig zu verdraengen.
Aus diesem Grund moechte ich auch zunaechst noch einmal von meinen letzten Monaten hier berichten.
Meinen letzten Rundbrief hatte ich im April verfasst als bereits die Sommerferien begonnen hatten.
Ein spannendes Ereignis Ende April war das Manggahan-Festival (Mangga-Mango) in der „Hauptstadt“ von Guimaras.
Aus diesem Anlass wurde der gesamte Vorplatz des „Rathauses“ neu gestaltet und modernisiert. Es wurden unzaehlige neue Verkaufsstaende (Bambushuettchen) aufgebaut, vergleichbar mit einer Kirmes in Deutschland nur eben auf philippinsche Art. Neben Mangos (selbstverstaendlich von Guimaras!) wurden andere heimische Inselprodukte angeboten und ich war wirklich beeindruckt, dass es so viele tolle Dinge hier gibt von denen ich vorher nicht wusste.
Darueber hinaus wurde typisch philippinsche kulinarische Kueche angeboten.
Wir hatten das Glueck an dem Abschlusstag teilzunehmen, an dem jede „Gemeinde“ eine grosse Tanzvorstellung hatte. Einige Gruppen bestanden aus mehr als 100 Personen und stellten mit beeindruckender Kulisse und Kostuemen die Mangoernte, die Entstehung der Insel und aehnliches dar. Es war ein sehr atemberaubendes Schauspiel und die Gemeinde, in der ich lebe, hat den zweiten Platz gemacht, was wirklich sehr schoen ist, da diese noch die neueste, unorganisierteste und aermste Region ist.
Allerdings kann man hier nie mit dem Wetter planen und natuerlich faengt es dann ganz ploetzlich wie aus Eimern an zu regnen, sodass man innerhalb von einer Minute komplett durchnaesst war. Also wurden die Wahlplakate, die vorher als Sonnenschutz gedient haben schnell zu Regenschirmen umfunktioniert und das Schauspiel ging weiter. Nach den ganzen Vorstellungen haben alle Gruppen zusammen im Regen zu Trommelklaengen getanzt, das war wirklich faszinierend.
Leider hat dieses Festival auch einige Schattenseiten. Denn das Festival hat mehrere Millionen Peso gekostet, woraufhin die Gehaelter der Mitarbeiter gekuerzt wurden. Dies ist hier ein haeufiges Problem und Gehaelterkuerzungen sind bei solchen Angelegenheiten an der Tagesordnung.
Anfang Mai haben wir, Klara und ich, uns auf den Weg nach Davao, der „Hauptstadt“ von Mindanao gemacht, um dort zwei andere MaZ-lerinnen zu treffen.
Wir hatten dort eine schoene gemeinsame Zeit zum Austausch, deutsches Essen zu kochen und geniessen und einfach mal wieder Deutsche zu sein, was echt entspannend war.
Die letzten zwei Wochen im Mai war „Summerclass“, das heisst freiwilliger Unterricht fuer Schueler anderer oeffentlicher Schulen und Notre-Dame-Schueler. Klara und ich waren die Verantwortlichen fuer die Aeltesten zwischen 10 und 13 Jahren. Es waren zwei wirklich schoene Wochen, denn das Unterrichten hat sehr viel Spass gemacht, vor allem weil wir selbststaendig entscheiden konnten, was wir mit den Kindern machen wollten.
Die Atmosphaere war sehr entspannend, da kein Lerndruck herrschte und die Klassenstruktur nicht bestand.
Darueber hinaus haben wir zusammen mit den Schuelern entschieden, was sie gerne lernen moechten und ich glaube, dass wir ihnen einiges uebermitteln konnten und sie die Zeit genossen haben, da es ja freiwillig war.
Es war ein bisschen schade, dass die Zeit so kurz war und dass wir nicht oefter die Moeglichkeit hatten auf diese Weise zu unterrichten.
Zu Beginn des Sommerunterrichts kamen zwei 12-jaehrige Maedchen zur Schule, von denen eine nur ca. zwei Jahre zur Grundschule gegangen ist und die andere noch nie. Wie man sich vorstellen kann, war es fuer die beiden sehr schwer sich an den Schulalltag zu gewoehnen und vor allem getrennt von ihrer Familie zu sein, da sie im Konvent gewohnt haben. Leider sind sie nach zwei Wochen wieder gegangen.
Die Analphabetenrate hier auf den Philippinen ist nicht sehr hoch und liegt bei ca. 7%. Allerdings liegt das Problem darin, dass viele nur ein paar Jahre die Grundschule besuchen und diese nicht beenden oder fuer laengere Zeit unterbrechen und arbeiten gehen!
Des Weiteren faellt es in oeffentlichen Schulen haeufig nicht auf, ob ein Kind nun lesen und schreiben kann oder nicht, da die durchschnittliche Klassenstaerke nie unter 50 Schuelern pro Klasse liegt.
Im Juni fing dann der regulaere Unterricht wieder an. Seitdem sind wir keine Lehrerinnen mehr, da die Schule nun genug Lehrer hat und ausserdem die Zeit zu kurz war, um noch einmal zu unterrichten.
So konnte ich meine letzte Zeit ein bisschen freier gestalten.
In der Schule haben wir noch einen Zahnputztag gemacht. Sodass sich nun alle Kinder taeglich nach dem Mittagessen die Zaehne in der Schule putzen.
Es war wirklich erschreckend zu sehen wie schlecht die Zaehne einiger Kinder sind. Bei einigen waren keine Zaehne mehr erkennbar, sondern nur schwarze verfaulte Stuempfe! Ich befuerchte, dass einige zum ersten Mal eine Zahnbuerste mit Zahnpasta benutzt haben, aber den Kindern hat es Spass gemacht.
Derzeit ist hier die Regenzeit angebrochen und es regnet taeglich. Die Strassen haben sich wieder in Schlammpisten verwandelt und aufgrund von Taifunen kann man nicht immer genau planen, wann und ob man in die Stadt fahren kann oder wieder von dort nach Guimaras zurueckkommt. Von Trockenheit kann man nun wirklich nicht mehr reden und die Natur erleuchtet in einem wunderschoenen Gruen.
Nun sind meine Tage wirklich gezaehlt, denn genau in einer Woche heisst es Abschiednehmen. Am Dienstag findet in der Schule ein „Ernaehrungstag“ statt, denn der Juli ist der Ernaehrungsmonat. An diesem Tag werden wir uns von den Kindern und Guimaras verabschieden, was wir mir sicherlich nicht leicht fallen wird!
Klara und ich werden noch fuer 10 Tage nach Indonesien fliegen und die Schwestern und deren Projekte dort besuchen. Da die Schwestern hier auf den Philippinen „Missionare“ von Indonesien sind und sie uns eingeladen haben ihre Heimat kennenzulernen.
Danach werde ich mich auf die Heimreise machen und ich freue mich natuerlich sehr auf meine Heimat. Dennoch wird mir der Abschied sehr schwerfallen und ich bin mir sicher, dass ich wieder hierher zurueckkommen werde, denn die Philippinen sind fuer mich eine zweite Heimat geworden.
Da ich meine letzten Tage noch geniessen moechte, ist es hoffentlich verstaendlich, wenn dieser Rundbrief etwas knapper ausfaellt.
Ich werde einen letzten Abschlussbericht aus Deutschland schicken und wenn ich wieder daheim bin, koennt ihr so viele Fragen stellen wie ihr moegt! Ich freue mich ueber jede einzelne!

Nun wirklich zum letzten Mal,
ganz viele liebe Gruesse von den Philippinen

Theresa Stuempel

Donnerstag, 16. April 2009

3. Rundbrief von den Philippinen

3. Rundbrief von den Philippinen

Liebe Freunde, Verwandte, Bekannte und Unterstuetzer,

nach mittlerweile 8 Monaten und um viele Erfahrungen und Begegnungen reicher, melde ich mich wieder von den fernen immer heisser werdenden Philippinen.
Meinen letzten Rundbrief habe ich zu Weihnachten geschrieben und daran moechte ich nun auch anknuepfen. Auch wenn es etwas befremdlich erscheinen moege noch nach Ostern etwas von Weihnachten zu lesen.
Aber zur Erinnerung an Weihnachten ist Anfang Maerz das letzte Weihnachts-Care-Paket eingetroffen und die Plaetzchen haben sogar noch geschmeckt :-). Nochmals vielen Dank dafuer.
Nach den 9-taegigen fruehmorgentlichen Vorbereitungsmessen auf Weihnachten habe ich mich unerwarteterweise auf Heiligabend gefreut, obwohl ich unter chronischem Schlafmangel litt und das Wetter auch nicht gerade weihnachtlich war.
Wir wurden an Heiligabend in eine andere Gemeinde eingeladen, sodass wir erst noch fast zwei Stunden unterwegs waren bis wir die Kirche erreicht hatten.
Es hat mir echt die Sprache verschlagen als wir ueber den Kirchenvorplatz fuhren, denn dort erinnerte mich aufgrund der vielen Grillstaende eher alles an eine Kirmes.
Mir ist wirklich ein Schauer ueber den Ruecken gelaufen, als ich die Menschenmassen in der Kirche gesehen hab und dann fiel mir ploetzlich ein, dass Klara und ich dort unsere deutschen Weihnachtslieder zum Besten geben sollten. Der Applaus von ca. 2000 Menschen zeigte uns, dass es nicht ganz so uebel war und nun erkennen uns sogar schon die Taxifahrer in Iloilo (der Nachbarstadt) und fragen, ob wir diejenigen waren, die Weihnachten...
Ja, das sind wir :-). So wird man hier beruehmt neben ungewollten Fernsehauftritten und "herausragenden" Fahrkuensten :-).
Die Weihnachtsmesse war wunderschoen und hat mich tief bewegt. Ich glaube, dass ich noch nie so bewusst und beruehrt Weihnachten gefeiert habe.
Nach der Messe gab es noch einen Mitternachtssnack beim Pastor. Als wir dann endlich so gegen 3 Uhr nachts Zuhause waren, haben Klara und ich noch eine kleine Bescherung gemacht mit deutschen Weihnachtsliedern, Kerzenschein und... Ventilator.
Nach ca. zwei Stunden Schlaf ging es dann am naechsten Morgen wieder in die Messe, die wirklich menschenleer war, was mir befremdlich erschien, aber daran lag, dass Weihnachten nun vorbei war und in der Stadt hatten schon wieder alle Geschaefte wie gewoehnlich geoeffnet.
Insgesamt gesehen war es ein sehr schoenes, wenn auch ganz anderes Weihnachtsfest, was u.a. auch klimatisch bedingt war.
Dahingegen ist Silvester sehr ruhig, fuer meinen Geschmack zu ruhig verlaufen.
Im Januar haben wir uns einer Reisegruppe vom Erzbistum Paderborn anschliessen duerfen.
Wir haben zunaechst drei sehr praegende Tage in Cebu, der drittgroessten Stadt, verbracht.
Dort in Cebu waren wir Gaeste der „Steyler Missionare“ (SVD), deren „Provincial Superior“ der deutsche Pastor Heinz Kulueke ist.
Die Hauptaufgabe der Steyler Missionare in Cebu ist die beruehmte und sehr grosse San Carlos Universitaet, mit mehr als 18.000 Studenten.
Die „Nebenaufgabe“ oder das Hobby, wie die Fathers sagten, bestehe darin die Aermsten der Armen in Cebu zu unterstuetzen und genau diese Projekte haben wir uns angeschaut.
Die folgenden Erlebnisse, die ich nun schildern werde, sind schwer in Worte zu fassen und deshalb vielleicht auch schwer vorstellbar.
Am ersten Tag sind wir zu den Muellkippen gefahren und haben die Menschen besucht, die dort im Muell leben und vom Muell ueberleben.
Es hat mich tief traurig gemacht und sehr getroffen als ich die vielen Menschen und besonders Kinder gesehen hab, die in den Muellbergen nach etwas Verwertbaren (wie z.B. Kunststoff, Kupfer und Essbarem) gesucht haben, was sie noch verkaufen koennen, um zu ueberleben.
Wir sind dort durch den ganzen Muell gelaufen und es hat wirklich gestunken. Aber in dem Moment habe ich das gar nicht wahrgenommen, weil es mich zutiefst erschuettert hat, wie die Menschen dort um das nackte Ueberleben gekaempft haben und davon leben, was wir in Massen wegwerfen und als wertlos ansehen. Das Gefuehl, was ich hatte als ich in die Augen der Kinder geschaut habe, ist schwer zu beschreiben und es hat mich wuetend auf die Ungerechtigkeit in dieser Welt gemacht, die einem zwar immer bewusst ist, aber wenn man direkt damit konfrontiert wird, macht es sehr nachdenklich.
Ich habe bisher schon viel Armut im Land gesehen, aber nie in so grossem Ausmass, auch wenn ich sagen kann, dass man mit der Zeit einen anderen Blickwinkel gewinnt oder vielleicht sogar teilweise abstumpft.
Die Mitarbeiter der „Steyler Missionare“ haben auf einer Muellkippe ein „Day Care Center“ gegruendet (eine Art Kindergarten), was einen Hoffnungsschimmer darstellt eines Tages den Kindern eine bessere Zukunft zu ermoeglichen.
Am Nachmittag haben wir ein Dorf besucht, in dem Menschen leben, die vorher auf den Muellkippen gelebt haben und nun mehr und mehr ein Leben fern vom Muell aufbauen und sich dort in einer kleinen Gemeinde selbst organisieren.
Natuerlich fragt man sich, wie ist das alles finanzierbar und vor allem was ist mit den ganzen anderen tausend Menschen, die noch im und vom Muell leben?!
Ganz kann ich es nicht erklaeren, aber zunaechst bekommen die Menschen die Haeuser nicht geschenkt, sondern muessen sie in Form von Krediten in kleinen Raten abbezahlen. Da stellt sich die Frage, wie bringen die Menschen das Geld dafuer auf, vor allem weil die meisten keine richtige Schulbildung haben und schon lange auf dem Muellkippen gelebt haben. Einige haben einen kleinen Laden eroeffnet oder verkaufen selbstgemachte Snacks in der Stadt. So lernen sie zudem mit Geld umzugehen.
Ein weiteres Problem ist der hohe Alkoholkonsum u.a. ausgeloest durch Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Aufgrund der neuen Perspektive, die sie bekommen haben, hat sich das jedoch gluecklicherweise geaendert, auch wenn man niemals sagen kann, dass die Menschen nun ohne Probleme gluecklich leben und auch noch nicht gesagt ist, dass sie nicht doch eines Tages wieder auf die Muellkippen zurueckkehren, weil ihnen die Verpflichtungen zu gross werden.
Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung und die Menschen, die dort leben, hatten eine viel positivere Ausstrahlung als die Menschen auf den Muellkippen.
Weiterhin haben wir drei unterschiedliche Friedhoefe besucht auf denen ebenfalls viele Menschen gemeinsam mit den Toten leben.
Auf dem Chinesischen Friedhof leben die Menschen schon seit vielen Jahren in den Gruften, die Kapellen aehneln, da hier auf den Philippinen die Menschen ueber der Erde bestattet werden.
Auf diesem Friedhof sind die reichen Chinesen bestattet, welche die Friedhofbewohner dulden, da sie so die Graeber vor Schaendung schuetzen.
Ein anderer Friedhof war als dieser ueberhaupt nicht mehr zu erkennen, sondern aehnelte eher einem Slumviertel (Squattersiedlung).
Die Huetten wurden ueber die Graeber gebaut und nur wenn man ganz genau hingeschaut hat, konnte man noch die Ueberreste von Graebern erkennen.
Seit langer Zeit kaempfen die „Steyler-Missionare“ um eine Legalisierung dieser Squattersiedlung (Besetzung eines Landes, was nicht Eigentum ist) und sie haben Zuversicht, dass es bald der Fall sein werde, weil die Menschen dort seit vielen Jahren leben und sonst irgendwann eine Alternative fuer eine Umsiedlung gefunden werden muesste.
Sobald eine Legalisierung stattfindet, wird das Dorf an die oeffentliche Strom- und Wasserversorgung angeschlossen und hat mehr Moeglichkeiten etwas aufzubauen.
Ein weiteres Projekt ist die Arbeit mit den Prostituierten in Cebu.
In Cebu leben ungefaehr 10.000 Maedchen und junge Frauen in Prostitution.
Die „Steyler-Missionare“ haben ein „Drop-In“ und „After-Care Center“ aufgebaut, wo die Menschen hinkommen koennen, wenn sie Probleme haben, einfach jemanden zum reden brauchen, Medikamente benoetigen oder wirklich die Absicht verfolgen aus der Prostitution auszusteigen. Dies ist natuerlich ein sehr sehr langer Prozess, der auch haeufig scheitert, weil viele stark drogenabhaengig sind und keine Alternative sehen, um die eigene Familie zu ernaehren.
Auch wenn es immer nur ein geringer Anteil ist, der den Ausstieg schafft und einen Schulabschluss macht, lohne sich die Arbeit dennoch.
An einem Abend hatten wir die Moeglichkeit mit einem Father ins Rotlichtmilieu und auf die Strasse zu gehen, was dieser nach seinem Dienst an der Uni als Professor tagtaeglich macht.
Zunaechst sind wir in „Bikini-Bars“ gegangen von denen es hunderte gibt, die man tagsueber voellig uebersieht, die aber ueberall zu finden sind.
Es war schon ein sehr befremdliches Gefuehl dort herein zu gehen und ich fuehlte mich irgendwie hilflos, weil ich nicht wusste, wie ich mich verhalten sollte.
Ich bin dann aber wider Erwarten mit einer Frau ins Gespraech gekommen und sie hat mir unerwarteterweise erzaehlt, warum sie dort arbeitet.
Sie erzaehlte mir, dass ihr Mann gestorben sei und sie keinen anderen Ausweg gesehen habe ihre Tochter und ihre Familie zu ernaehren, da sie die Highschool abgebrochen habe und sie nie einen Job hatte, waere diese „Bikini-Bar“ ihre letzte Hoffnung.
Sie kam wie fast die meisten Maedchen nicht direkt von Cebu City, sondern von fernen Provinzen oder Inseln.
Es gibt haeufig Maenner, die in arme Doerfer gehen und den Maedchen einen Job anbieten, (natuerlich ist nie die Rede von Prostitution) sodass sie ihre Familien besser ernaehren koennen und es allen besser gehen wuerde. Sehr viele Maedchen folgen diesen vielversprechenden Angeboten.
Jetzt fragen sich wahrscheinlich einige, was die Father dort in den „Bikini-Bars“ machen.
Zunaechst einmal reden sie sowohl mit den Maedchen, als auch deren „Zuhaeltern“. Sie sind fuer die Maedchen da, wenn sie Probleme haben, verteilen Medikamente, Suessigkeiten und Kondome, was bei der hohen Aidsrate auch sehr wichtig ist. Dies klingt jetzt in manchen Ohren etwas aussergewoehnlich, weil die katholische Kirche besonders hier auf den Philippinen noch sehr konservativ gelebt wird, aber fuer sie sei es das kleinere Uebel Kondome zu verteilen als Frauen nach einer selbstinduzierten Abtreibung verbluten zu sehen.
Das Verhaeltnis zwischen den Maedchen und dem Father habe ich als sehr vertraut empfunden.
Die Father kooperieren mit den „Zuhaeltern“, weil es ihnen auf diesem Weg moeglich ist, von Zeit zu Zeit Maedchen aus der Prostitution herauszuholen.
Danach sind wir dann auf die Strasse gegangen und dort finden sich die Prostituierten, die nicht (mehr) huebsch genug sind, um in „Bikini-Bars“ zu arbeiten, was jetzt sehr drastisch klingt, aber ueberwiegend an dem hohen Drogenkonsum liegt (10 Frauen teilen sich eine Spritze!).
Anschliessend sind wir noch zum Hafen gefahren (es war bereits 1 Uhr nachts), denn dort stehen die Minderjaehrigen tagtaeglich am „Highway“. Sie sind schaetzungsweise zwischen 12 und 16 Jahre alt gewesen und eigentlich noch hilflose Kinder, die allerdings schon selbst Kinder haben oder Abtreibungen hatten.
Ein Maedchen hatte bereits einen Job in einer Baeckerei, aber sie koenne die Transportgebuehren nicht aufbringen und zusaetzlich noch ihre Familie unterstuetzen, deshalb biete sie dort ihren Koerper an.
Ein anderes Maedchen geht morgens in die Schule und steht nachts an der Strasse, um die Schulgebuehren und Transportkosten bezahlen zu koennen.
Waehrend wir dort standen und geredet haben, fuhren die Freier vor und die Maedchen verschwanden fuer eine Weile, das uebliche Geschaeft lief also weiter.
Diese ganzen Eindruecke und Erlebnisse waren echt tief erschuetternd fuer mich.
Die Father gehen wie schon erwaehnt jeden Abend auf die Strasse, immer in der Hoffnung die Maedchen dazu zu bewegen mit der Prostitution aufzuhoeren und ihnen von ihren Projekten erzaehlen.
Insgesamt gesehen waren es drei tief bewegende Tage fuer mich, die ich nie vergessen werde und ich kann sagen, dass die „Steyler-Missionare“ sehr gute und sinnvolle Arbeit leisten.
Nun kam das Kontrastprogramm schlechthin. Wir sind nach Palawan geflogen und waren dort fuer fuenf Tage Gaeste des „Palawan Chamber Choirs“, der bereits in Deutschland getourt ist und auch in diesem Jahr von Mai-Juli in Deutschland auftreten wird. Dieser Chor wird u.a. von Missio unterstuetzt, um diese Auftritte moeglich zu machen und mit dem Geld, was sie durch Spenden etc. sammeln unterstuetzen sie Projekte in Puerto Princesa (Hauptstadt von Palawan) und koennen einigen Chormitgliedern Stipendien anbieten, um ihnen eine Schulbildung zu ermoeglichen.
In Palawan haben wir viele Naturwunder bestaunen duerfen. Wir sind zum beruehmten Underground River gefahren, der wirklich beeindruckend war. Dieser Fluss befindet sich in einem gigantischen Hoehlenkomplex und hat eine Laenge von 8 km von denen ca. 4 km befahrbar sind. Die Stalaktiten und Stalakmiten haben faszinierende Formen gebildet.
Ausserdem haben wir einige traumhafte Inseln gesehen und ich habe, mit einem Schnorchel ausgeruestet, die Unterwasserwelt bestaunen duerfen.
Wir hatten einfach eine tolle Zeit zusammen mit den Chormitgliedern.
Ich moechte an dieser Stelle nochmal Werbung fuer den wirklich exzellenten Chor machen, der auch in Paderborn auftreten wird. Ein Konzertbesuch lohnt sich!
Nun wird vielleicht deutlich, dass es fuer mich ein Wechselbad der Gefuehle war. Aber ich bin sehr dankbar fuer diese Erfahrungen und die erste kleine Auszeit, die ich vom Projekt hatte.
In diesem Sinne moechte ich mich bei der ganzen Reisegruppe fuer die nette Aufnahme von uns beiden MaZ'lerinnen bedanken, obwohl ich gestehen muss, dass ich anfaenglich doch etwas mit der deutschen Puenktlichkeit und Strukturiertheit ueberfordert war :-).
Aber es war eine schoen Zeit und ich habe die richtige Dusche nach einem halben Jahr „Eimerdusche“ schon sehr genossen.
Einige Wochen spaeter im Februar waren meine Eltern zu Besuch, was mir sehr wichtig war, weil es einfach schwer vorstellbar ist, wie ich hier lebe und wie meine Arbeit hier aussieht.
Ich habe mit ihnen fast drei sehr schoene und abwechselungsreiche Woche verbracht.
Nun war es an der Zeit die Philippinen auch einmal von der touristischen Perspektive aus zu sehen, was fuer mich anfangs sehr schwer war.
Zunaechst haben wir eine Rundreise im noerdlichen Teil der Philippinen auf der Insel Luzon gemacht, wo auch die Hauptstadt Manila liegt. Dazu sind wir in die Berge gefahren und haben die gigantischen Reisterrassen und Gemuesefelder bestaunen duerfen. Die Reisterrassen sind auch bekannt als das „8. Weltwunder“ und wurden von der „UNESCO“ zum Weltkulturerbe erklaert. Ueber 2000 Jahre haben die Ifugao mit simplen Werkzeugen die imposanten Terrassen erbaut. Es ist wirklich beeindruckend, wie solche riesigen Terrassen von Menschenhand gebaut werden koennen und das vor allem nicht nur an einer Stelle, sondern viele Kilometer weit.
Das Gemuese, was dort angebaut wird, wird auf die gesamten Philippinen verteilt , denn nur dort ist das Klima so kuehl, dass ein Anbau von Gemuesesorten, wie wir sie in Deutschland kennen (z.B. Moehren, Tomaten, Kohl etc.) moeglich ist.
Dort regnet es fast taeglich und die kuehlen Temperaturen haben mich dazu gebracht, nachts mit drei Decken, dickem Pullover, Wollsocken und Waermflasche zu schlafen :-). Zudem fuehrt dieses feuchte Wetter immer wieder zu Erdrutschen, sodass wir dann und wann mal eine halbe Stunde warten mussten bis die „Strasse“ wieder freigeraeumt war.
Darueber hinaus war ich einige Tage in Manila, der Hauptstadt mit ueber 10 Millionen Einwohnern. Ich war noch nie in einer so stark umweltbelasteten und versmogten Stadt mit so grossen Unterschiedern zwischen Armut und Reichtum. Die Einkaufszentren dort sind gigantisch ebenso im gleichen Mass hat aber auch die Armut ein gigantisches Ausmass.
Ich bin sehr froh, dass ich hier auf einer kleinen verlassenen Insel lebe, wo es frische Luft und Ruhe im Uebermass gibt.
Danach habe ich meinen Eltern fuer einige Tage mein Leben hier auf Guimaras gezeigt, was fuer beide Seiten eine ganz neue Erfahrung war.
Zu guter Letzt waren wir in Boracay, dem Urlaubsziel schlechthin hier auf den Philippinen. Diese Insel ist fuer den absolut weissen Sandstrand beruehmt -auch wenn es aufgrund der vielen Hotels und des boomenden Tourismus nicht mehr ein unberuehrtes Paradies ist, hat es mir dort sehr gefallen und ich konnte fuer ein paar Tage relaxen und die Seele baumeln lassen.
Waehrend der Zeit mit meinen Eltern war bereits die Haelfte meines MaZ-Jahres vergangen und die Zeit vergeht fast zu schnell.
Meine Berichte hoeren sich jetzt fuer einige nur nach Urlaub an, aber ich habe die meiste Zeit hier auf Guimaras im Projekt verbracht und in der Schule unterrichtet.
Gerade jetzt in den Sommerferien (April und Mai) merke ich, dass mir die Kinder immer mehr ans Herz gewachsen sind und ich nun an manchen Tagen den „Radau“, die kleinen Kaempfchen und die Schmuseeinheiten vermisse.
Klara und ich haben mit dem Floetenunterricht in der 4. und 5. Klasse begonnen und es ist sehr schoen zu sehen, wie es den Kindern Spass macht und einige wirklich ehrgeizig Zuhause ueben. Wir hoffen, dass wir noch bis zum Ende unseres MaZ-Jahres den Kindern einige Lieder beibringen koennen. An dieser Stelle nochmals viele Dank fuer die Floetenspenden!
Seit einigen Wochen singen wir zusammen mit einigen Schuelern der Highschool sonntaeglich in der Messe und es macht mir sehr viel Spass, obwohl ich leider nicht ganz verstehe, was ich singe, da alle Lieder auf Ilongo oder Filipino sind.
Des Weiteren gab es einige grosse Probleme und Veraenderungen bei den Schwestern und Lehrerinnen, infolgedessen alle Lehrerinnen gekuendigt haben.
Nun weiss ich noch nicht ganz genau, wie es zum Schuljahrebeginn im Juni weitergehen wird, aber irgendwie wird es schon eine Loesung geben.
Aufgrund der Hitze und Trockenheit, die Sommerzeit hat nun begonnen, hat sich mein Lebensstil nochmal etwas veraendert. Sodass ich nun taeglich mindestens zwei grosse Wassereimer schleppen muss, um duschen zu koennen und ich mittlerweile meine Waesche bei unseren Nachbarn am Brunnen wasche. Wobei man erwaehnen muss, dass das Wasser eher braeunlich trueb ist und dennoch von unseren Nachbarn auch als Trink- und Kochwasser genutzt wird.
Der Sommer ist jetzt erst richtig angefangen und wir koennen uns gluecklich schaetzen, dass wir noch etwas Regenwasser im Tank haben. Sobald jedoch dieses aufgebraucht ist und die Brunnen hier komplett erschoepft sind, werden wir Wasser in grossen Containern von weiter entfernten Quellen holen muessen.
Abends fahren Trucks mit Wassercontainern von Haus zu Haus, um alle mit Wasser zu versorgen, was jedoch nicht kostenlos ist.
Vielleicht bekommt man nun einen kleinen Eindruck davon, dass Wasser sehr sehr kostbar ist und man vielleicht doch das Wasser beim Zaehneputzen und Duschen abstellen sollte.
Dies sind wie ich finde gute Schlussworte und ich moechte mich nochmal vielmals fuer den verspaeteten Rundbrief entschuldigen.
Zuletzt bleibt mir noch zu sagen, dass es mir gut geht und ich wirklich jede Minute geniesse.
Ich freue mich sehr ueber Reaktionen und weitere Fragen aus Deutschland.

Ganz liebe sonnige Gruesse von den Philippinen

Theresa Stuempel

Montag, 22. Dezember 2008

2. Rundbrief von den Philippinen

Liebe Unterstützer, Verwandte, Freunde und Bekannte,
nach langer Zeit und vielen neuen Erfahrungen und Erlebnissen ist es wieder an der Zeit Euch davon zu berichten. Mittlerweile lebe ich nun seit 4 Monaten auf den Philippinen und Weihnachten steht schon vor der Tür.
Insgesamt gesehen habe ich bisher eine sehr schöne, erfahrungsreiche, aber auch schwierige Zeit hinter mir.
Zunächst möchte ich von meiner Arbeit berichten, die sich noch einmal etwas verändert hat. Klara, die andere MaZ’lerin und ich haben gemeinsam mit Mape (Musik, Kunst und Sport) Unterricht begonnen. Doch seit November unterrichte ich alleine noch zusätzlich täglich Mathe in der zweiten Klasse, was eine sehr große Herausforderung ist, weil es für die Kinder schwierig ist, mich auf Englisch zu verstehen. Andererseits verstehe ich die Kinder auch häufig nicht, wenn sie manchmal, ohne zu überlegen, auf Illongo losplappern und ich leider immer nur ein paar Wörter verstehe. Besonders schön ist es für mich, wenn die Kleinen versuchen, Englisch zu sprechen, vor allem, wenn es von Schülern kommt, die sonst eher selten Englisch sprechen. Außerdem musste ich mich erst einmal wieder an das schriftliche Subtrahieren gewöhnen. Die meiste Zeit des Unterrichts bin ich aber überwiegend damit beschäftigt, Tränen zu trocknen, die Kinder vom Herumlaufen abzuhalten und irgendwie Kämpfe zwischen den Kindern zu verhindern. Leider ist es so, dass viele Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen stammen und oft nicht wissen, wie sie mit ihrer Gewalt und Wut umgehen sollen, weil sie entweder täglich Zuhause solche Streitereien mitbekommen oder weil sich niemand richtig um sie kümmert, sodass sie einfach immer Aufmerksamkeit suchen. Eines der berührensten Erlebnisse war, dass ein Schüler angefangen hat, sich selbst zu schlagen und mit dem Bleistift zu verletzen und ich ihm die Hände festhalten musste, damit er aufhört. Ich habe versucht ihn zu beruhigen, aber er hat einfach geschwiegen und stumme Tränen vergossen. Dieses Bild werde ich nie vergessen. Es ist für mich unbegreiflich, wie ein Kind gegen sich selbst so eine Wut entwickeln kann. Genauso unverständlich ist für mich, dass die Kinder in dem einen Moment nur stören und auf keine Ermahnung reagieren und sich im nächsten Moment wieder wie kleine Schmuseaffen an mich klammern.
Darüber hinaus unterrichte ich in der zweiten Klasse noch Mape allein und in der vierten und fünften mit Klara zusammen.
Zusätzlich bin ich noch ein bisschen mit “Klavierunterricht” angefangen, was auf einem alten klapprigen Keyboard eher unbefriedigend ist, aber dennoch seinen Zweck erfüllt.
An Musikalität mangelt es den Filipinos nicht im geringsten. Fast jeder Haushalt besitzt eine Stereoanlage und jeder zweite noch zusätzlich eine Karaokemaschine, sodass an jeder Ecke lauthals “geplärrt” wird und wenn man Glück hat die ganze Nacht mit einer Lautstärke, die in Deutschland nicht mehr nur als Ruhestörung gilt.
Auch auf den langen Fahrten mit dem Jeepney oder dem Pumpboat wird es einem dank lauter Musik nie langweilig. Man braucht sich auch nicht wundern, wenn plötzlich neben dir jemand an zu “singen” fängt, das ist hier einfach ganz normal und ich hab mich dem auch schon angepasst J. Abschließend kann ich zu meiner Arbeit sagen, dass sie mir sehr großen Spaß macht, aber man manchmal abends todmüde ins Bett fallen möchte, leider jedoch noch den Unterricht vorbereiten muss. Somit wird die Nacht meist sehr kurz, da man spätestens ab 5 Uhr in der Früh gnadenlos von den Hähnen geweckt wird.
Als ich hier ankam besaßen die Schwestern ungefähr 10 Hühner, mittlerweile hat sich die Zahl bestimmt vervierfacht. Neben Hühnern wüsten hier auch manchmal Ziegen und Kühe der Nachbarn im Garten herum oder wir bekommen seltenen Besuch von einer Schlange (insgesamt habe ich bisher 4 Schlangen gesehen, 3 zum Glück nur aus dem Auto). Nicht zu vergessen sind die ganz vielen Eidechsen in kleiner und großer Ausführung, die einen manchmal auch im Zimmer besuchen. Außerdem findet man sehr viele Frösche, die einen nachts auf dem Flur ganz schön erschrecken können. Wie man sieht geht es hier sehr tierisch zu.
Auf den Straßen hier auf Guimaras muss man immer vor riesigen Wasserbüffeln auf der Hut sein, die hier neben Motorrädern mit Karren das Hauptverkehrs-/Transportmittel sind. Sie geben häufig ein bizarres Bild ab, wenn ganz dünne, schlaksige, alte Männer oder kleine Jungen auf den Rücken dieser träge aussehenden, aber vor Kraft strotzenden Tiere sitzen. Ein bisschen vorsichtig bin ich auch immer, wenn mir Männer mit riesigen Buschmessern begegnen, die wirklich aussehen wie Buschmänner.
So gestaltet sich das ländliche Leben hier auf Guimaras.
Ein großes Problem in dieser armen Gegend ist das Wasser. Des Öfteren habe ich es auch schon zu spüren bekommen. Denn wenn man kein fließendes Wasser mehr hat, muss man es eimerweise von einem großen Regenwassertank im Garten schleppen und dann fällt einem erst einmal auf, wie viel Wasser man eigentlich benutzt und lernt dieses sehr zu schätzen. In der Sommerzeit reicht natürlich der Tank mit dem Regenwasser nicht aus und wir werden zum Wäsche waschen und vielleicht auch zum “duschen” zur Quelle bei unseren Nachbarn gehen. Hier auf dem Gelände ist die Quelle leider nicht tief genug, sodass das Wasser in der Trockenzeit versiegt.
Mein Leben hier ist einfach absolut nicht mit meinem Leben in Deutschland vergleichbar.
Besonders gewöhnungsbedürftig ist für mich, dass man immer im Rampenlicht steht und ich glaube, dass mich mittlerweile fast jeder auf der ganzen Insel kennt. Unter anderem hat dazu auch mein Fernsehauftritt im philippinischen Lokalsender beigetragen. Da Klara und ich abends in der Stadt im Jeepney beklaut wurden, hatten wir nach dem Schock einen eher amüsanten Besuch bei der Polizei, wo alles genau zu Protokoll genommen wurde und dann plötzlich ein Fernsehteam auftauchte. Leider haben wir von unserer “Berühmtheit” erst hinterher von unseren Schülern erfahren, denn ich hätte es zu gerne selbst gesehen. Dies ist mittlerweile schon wieder zwei Monate her und immer noch werden wir darauf angesprochen und von allen gewarnt. Das Problem für mich ist einfach, dass ich mich nicht als Touristin fühle und deshalb dann manchmal vielleicht ein bisschen unvorsichtig gewesen bin, aber daraus hab ich jetzt gelernt.
Im Konvent darf man sich leider auch nicht zu sicher fühlen, da sich unsere Nachbarn aus purer Verzweiflung und vor Hunger einfach mal im Garten an den Papayabäumen bedienen und so tun als wenn es ganz selbstverständlich wäre. Zu dieser Selbstverständlichkeit noch eine kleine Anekdote am Rande: Einer unserer weiter entfernt wohnenden Nachbarn hat sich das Altöl vom Auto genommen. Die Schwestern haben ihn dann darauf angesprochen und er hat ohne Scham gesagt, dass die Schwestern das ja sowieso nicht mehr gebrauchen können und er sich das deshalb einfach genommen hat. Er hat auch überhaupt nicht verstanden, warum er das nicht einfach so still und heimlich machen kann und erst fragen sollte, das fand ich schon sehr kurios. Aus diesen Gründen wurde die Schule in eine Art Gefängnis verwandelt. Alle Fenster und Türen sind nun mit Gittern gesichert, denn es ist schon des Öfteren vorgekommen, dass sich ganze Türen in den neuen Häusern der Nachbarn wiedergefunden haben.
Wir sind auch nicht verschont geblieben, denn als wir vor ein paar Tagen von der Messe zurückkamen, hat jemand versucht, in unser Zimmer zu gelangen. Glücklicherweise war derjenige nicht erfolgreich und witzigerweise hat er sogar den Stock dagelassen, mit dem er versucht hat, etwas zu klauen, sowas habe ich echt noch nie erlebt J. Überwiegend geht es um Nahrung und jetzt kurz vor Weihnachten um Weihnachtsgeschenke.
Das Problem ist einfach, dass man Essen immer nur für einen Tag geben darf, da es sonst verkauft würde und die Menschen nur abhängig macht. Denn die meisten sind Bauern, aber leider einfach zu faul, etwas für den Eigenbedarf anzubauen, vor allem aber auch, weil das Grundstück, worauf sie wohnen, nicht ihnen gehört. Geld ist ein weiteres schwieriges Thema, denn wenn Geld vorhanden ist, werden davon sofort die Schulden bezahlt oder eben Alkohol gekauft. Geld leihen ist wirklich die Spezialität der Filipinos.
Um noch weiter auf die Kultur einzugehen, kann man sagen, dass die Philippinen das unasiatischste Land auf diesem Kontinent sind; einerseits, weil der Anteil der Christen bei 90% liegt, was auf die spanische Kolonialisierung zurückzuführen ist und andererseits, weil es sehr stark amerikanisiert ist. Amerika ist einfach das größte Vorbild und für viele Menschen gibt es nur zwei Länder, die Philippinen und Amerika. Alle „Weißen“ kommen hier aus Amerika J. Leider ist durch den großen Einfluss der Kolonialisierung viel von der eigenen Kultur verloren gegangen, aber die Unpünktlichkeit und Gelassenheit, die man manchmal vorschnell als Faulheit oder Trägheit abstempelt, ist dann wieder sehr asiatisch, was auch einfach wetterbedingt ist! Viel zu häufig sieht man, dass schon am frühen Morgen Karten gespielt werden und einfach nur herumgesessen wird. Insgesamt gesehen sind die Filipinos voller Lebensfreude und ganz besonders gastfreundlich und warmherzig. Ich fühle mich immer sehr wohl und aufgenommen.
Nun möchte ich von zwei wichtigen Erlebnissen berichten, die mich sehr bewegt haben. Zum Einen haben wir ein Gefängnis besucht und zweitens einen Krankenbesuch im Krankenhaus auf Guimaras gemacht.
Mit einigen Schwestern haben wir zusammen ein Gefängnis in Iloilo besucht, da dort eine Art “Besinnungs/Orientierungstage” stattfanden. Ich habe mir das Gebäude viel grösser vorgestellt, weil mir vorher bekannt war, dass dort 649 Männer leben/inhaftiert sind. Sie alle waren jedoch in einem sehr kleinen Gebäude untergebracht, ja fast schon “zusammengepfercht”. Schätzungsweise waren zwischen 20-30 Männer in einer Zelle und das unter menschenunwürdigen Bedingungen. Auf den ersten Blick sah es so aus, dass dort alles sehr locker ablaufen würde, weil die Aufseher/Polizisten nur vorne im Eingangsbereich saßen und die Insassen, die sich gut führten, die Aufsicht übernommen hatten. Zudem sind die Zellen nur in der Nacht abgeschlossen, in der anderen Zeit ist es, wie mir ein Insasse erzählte, erlaubt, sich frei auf dem Gelände zu bewegen und mit dem Besuch scheint man auch ganz locker umzugehen. Als wir dort waren, fand gerade ein Wettbewerb um den schönsten Weihnachtsstern statt. Dafür hat jede Zelle einen riesigen Stern gebastelt und dafür nur Naturmaterialien verwendet. Sie sahen wirklich sehr schön aus. Das faszinierende war für mich jedoch, wie friedlich diese ganzen Männer zusammensitzen können und miteinander beten. Das war ein sehr bewegender Moment für mich.
Ein zweites interessantes wie auch schockierendes Ereignis war mein Krankenhausbesuch. Eine unserer kleinen Schülerinnen aus dem “Kindergarten” hat den Fuß in die Speichen des Motorrades bekommen und musste deshalb ins Krankenhaus. Als ich das Krankenhaus betrat kam mir nur Kindergeschrei entgegen und als ich dann das Zimmer betrat war ich wirklich erschrocken. Dort standen sechs Betten, die mit mindestens 10 Patienten belegt waren, von Säuglingen bis hin zu Jugendlichen.
Man hörte überall nur Geschrei, die hygienischen Bedingungen waren katastrophal und es war total stickig. Überall lag Essen herum (schon mit Ameisen befallen), was von Verwandten gebracht wird, da man für die Nahrung selbst sorgen muss, ebenso für die Medikamente. Die Bettlaken sahen so aus, als wenn sie schon seit Wochen nicht mehr gewaschen worden seien. Ich kann die menschenunwürdigen Umstände kaum beschreiben, aber für mich war es einfach schrecklich. Zum Glück geht es der Kleinen wieder besser, nachdem sie in einem Krankenhaus in der Stadt operiert wurde.
Zu guter Letzt möchte ich noch passend vor Weihnachten auf die Religion eingehen. Wie ich schon häufiger erwähnt habe, sind 90% der Bevölkerung Christen und 80% davon Katholiken. Dies kann man auch nicht uebersehen, denn in jedem Jeepney, Taxi, Pumpboat, Tricycle und Motorrad hängt mindestens ein Rosenkranz und vielleicht sogar noch ein Marien-/Jesusbildchen. Bei dem Fahrstil erscheint mir das auch sehr wichtig zu sein, denn für mich herrscht auf den Straßen absolutes Chaos. Auf Guimaras habe ich mich schon selbst an den Fahrstil gewöhnt und ich hoffe, dass ich die deutschen Verkehrsregeln nicht vergessen werde.
Die Gottesdienste sind gut vergleichbar mit unseren, außer dass sie viel besser besucht sind. In der Stadt gibt es sonntags mindestens fünf Messen, allerdings nicht auf Guimaras. Dort gibt es sonntags nur eine Messe, die immer voll ist, aber nicht länger dauert als eine Messe in Deutschland. Der Ablauf ist auch vergleichbar, außer dass zum Offering (ich finde leider keine passende Übersetzung) vor der Gabenbereitung Gaben für den Pastor zum Altar gebracht werden (u.a. Reis, Bananen etc. oder auch Toilettenpapier), dann werden die Sponsoren vom Pastor gesegnet. Anders ist auch, dass zum Friedensgruß immer alle Schüler, die in der Kirche sind, die Schwestern, Lehrerinnen und uns MaZ’lerinnen auf die Wange küssen. Man kann sich also vorstellen, was das fuer ein Tumult in Schulmessen (jeden Mittwochmorgen und einmal monatlich in der Gemeinde) ist und man mit Küsschen regelrecht überhäuft wird.
Aus meiner Sicht kann ich sagen, dass mir die Filipinos als sehr gläubig erscheinen. Für mich nicht ganz verständlich ist allerdings, dass man fast in jedem kleinen Dorf mindestens fünf unterschiedliche Kirchen findet, von denen mindestens drei zu einer Sekte gehören (u.a. Mormonen, Zeugen Jehovas, Anhänger der Iglesia ni Christo uvm.). Ich kann leider nicht sagen zu welcher Glaubensrichtung die Mitglieder der Sekten gezählt werden, da es wirklich überraschend viele sind.
Nun komme ich zum Weihnachten feiern hier auf den Philippinen. Schon seit September laufen überall Weihnachtslieder, was bei den hohen Temperaturen irgendwie ganz unpassend schien. Die ersten kitschig geschmückten Tannenbäume habe ich Mitte Oktober entdeckt und seit dem ersten Advent sind auch die öffentlichen Gebäude mit sehr vielen bunten Lichtern geschmückt (sowas habe ich echt noch nie gesehen). Da muss man sich nicht wundern, wenn mal wieder Stromausfall ist.
Neun Tage vor Weihnachten gehen wir jeden Morgen (eigentlich noch Nacht) um 4.30 Uhr zur Messe. Diese traditionelle Messe nennt sich „Aguinaldo Messe“, die auf Weihnachten vorbereiten soll und auf den Philippinen einzigartig ist. An den ersten zwei Tagen war ich ehrlich gesagt todmüde, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, so früh aufzustehen. Die Messe wird sehr feierlich gestaltet und es werden viele Lieder gesungen. Mitten in der Nacht stehen die Menschen auf, um sich auf den kurzen oder auch weiten Fußweg zur Kirche zu machen, der in absoluter Dunkelheit und bei frischem Wind (ehrlich, ich habe auch gefroren und meinen Pullover ausgepackt) mühsam sein muss. Seit Beginn dieser Messen wünscht man sich schon überall „Frohe Weihnachten“, was für mich sehr ungewöhnlich ist.
Die Weihnachtszeit geht auf den Philippinen nur bis zum 24. Dezember, da hier der 1. und 2. Weihnachtstag nicht gefeiert wird, so wie wir es gewohnt sind. An Heiligabend sind wir mit den Schwestern in einer anderen Gemeinde eingeladen. Zu unserem Glück dürfen Klara und ich auch noch ein musikalisches Solo in der Messe einlegen. Die Messe beginnt um 22 Uhr und danach wird in den Familien ausgiebig gegessen (wenn genug Geld für Essen vorhanden ist).
Zurzeit habe ich bis zum 5. Januar Weihnachtsferien, fast so wie zu Hause.
In diesem Sinne wünsche ich Allen besinnliche Feiertage.
Ich wünsche Euch von ganzem Herzen Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Möge es ein glückliches, gesundes und gottgesegnetes Jahr werden.
Ganz viele liebe Grüße von den fernen Philippinen
sendet Euch
Theresa Stümpel

Samstag, 22. November 2008

Hallo nach Haaren

Ich sende euch ein sonniges Hallo in die Heimat und wollte nur eben Bescheid geben, dass ich nächste oder übernächste Woche den nächsten Rundbrief versenden werde :-) . Sonst geht es mir gut.
Viele liebe Grüße
Theresa

Red.:
Danke liebe Theresa, bei uns schneit es hier heftig und es ist recht ungemütlich und bei euch ist es fast 30 Grad, und dann noch Regen?

Sonntag, 12. Oktober 2008

Ausflug nach Iloilo

Hallo alle zusammen,
ich dachte ich erzähl mal wieder von meinen letzten Erlebnissen. In den letzten Wochen ist wieder sehr viel spannendes und interessantes passiert. Allerdings waren die letzten 3 Wochen auch sehr hart für mich, da ich sehr viel Heimweh hatte, weil ich leider zu viel Zeit zum Nachdenken hatte. Mittlerweile geht es mir aber schon viel besser und alle aufmunternden Worte sind eine große Hilfe für mich! Vor einigen Tagen hat die gesamte Schule einen Ausflug nach Iloilo gemacht mit samt einigen Eltern, die es sich leisten konnten. Leider waren die Kosten für den Ausflug sehr hoch, sodaß einige Schüler nicht mitkommen konnten. Das war sehr schade und ich weiss auch nicht, ob das die richtige Lösung des Problems war. Insgesamt war der Ausflug sehr sehr schön und interessant. Wir sind hier von der Schule gestartet und haben dafür 3 Jeepneys gemietet, die uns dann bis zum Hafen gebracht haben. Die waren absolut überfüllt und ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute da rein passen. Zum Glück sind die Menschen hier ja sehr klein und dünn Smile. Häufig sind die Jeepneys so überfüllt, dass außen mehr Menschen sind als im Jeepney sitzen. Ausserdem werden Schweine, Ziegen, Hühner und sämtliche Lebensmittel... transportiert. Es muss wirklich eine Kunst sein diese absolut überladenen Autos heile über diese Slalompisten zu bekommen.
Jetzt zurück zum Ausflug wir sind also direkt an der Schule gestartet und sind dann mit dem Pumpboat rüber nach Iloilo gefahren. Dort haben wir uns 2 Museen, die Pepsifabrik und eine Art Zoo angeschaut (was für mich viel mehr Tierquälerei als alles andere war). Mittagessen gab es bei Jollibee (eine Art Mac Donalds)Smile. Sowas hätte es bei uns beim Schulausflug nicht gegeben. Ich hab hinterher einige Schüler gefragt, was ihnen am besten gefallen hat und natürlich die Antwort war Jollibee. Einige der Schüler waren noch nie in Iloilo und ich hab mich echt etwas schlecht gefühlt, weil ich ja schon sehr häufig dort bin! Wir sind erst im Dunkeln wiedergekommen und die Kinder waren totmüde, weil wir schon über 12 Std. unterwegs waren. Am nächsten Tag waren deshalb auch leider die Hälfte der Schüler abwesend, was hier wohl normal ist. Besonders wenn das Wetter schlecht ist, sind auch viele Schüler nicht da, denn einige kommen mit dem Motorrad zur Schule.
Die letzten Wochen waren die Lehrerinnen und Schwestern sehr beschäftigt, da die Mädels eine Tanzformation einstudiert haben und die Jungs dazu getrommelt haben. Das kann man sich vorstellen wie einen Spielmannszug mit Garde. Sie haben immer nach der Schule noch eine Stunde geübt und Samstag auch meist den ganzen Tag. Es hat den Kindern sehr großen Spaß gemacht, aber für mich war es manchmal nervtötend immer lautes getrommel zu hören Smile. Heute war der große Tag und die Kinder konnten alles aufführen, denn heute ist der Bischof zu Besuch in der Gemeinde gewesen. Dafür wurde extra Kleidung genäht, Schuhe und Hüte gekauft. Die Mädels wurden geschminkt wie kleine Prinzessinen und waren wunderhübsch.
Diese Woche war es wieder unglaublich heiss und ich kann mir gar nicht vorstellen wie ich das hier im Sommer aushalten soll! Aber ich hab mich mittlerweile schon ans Schwitzen gewöhnt. An die guten Verhältnisse auf der Strasse hab ich mich auch schon gewöhnt und bin deshalb auch schon selber gefahren. Hätte echt nie gedacht, dass ich hier fahren kann und man muss sich wirklich konzentrieren, denn man weiss nie wann das nächste tiefe Loch kommt und wie tief es ist. So fest hab ich glaub ich noch nie das Lenkrad festgehalten Smile. Aber es hat gut geklappt und ich weiss auch schon ungefähr wann ich hupen muss. Da man nicht immer auf der rechten Seite fahren kann muss man vor einem Hügel immer hupen, weil man nichts sehen kann und sich nicht darauf verlassen kann, dass das entgegenkommende Auto auf der richtigen Seite fährt. Also es ist ein absolut anderes Fahrgefühl, da der Bulli auch so gross ist und ich denke ich werd mich nächstes Jahr schwer tun mit den dt. Verkehrsregeln Smile!!
Die Fahrten mit dem Pumpboat von Guimaras nach Iloilo waren auch schon einige Male sehr stürmisch und ich hab mich echt gewundert, dass das mein Magen so mitmacht. Ganz trocken sind wir dabei auch nicht geblieben... Smile . Aber es ist zum Glück nichts passiert und ich weiss jetzt, warum man sich immer in eine Liste eintragen muss bevor man aufs Schiff geht. Aber keine Angst, das ist hier ganz normal und bislang ist noch nichts schlimmes passiert!
Ich geh jetzt nochmal auf meine Arbeit ein. Ich hab ja gesagt, dass die letzten Wochen sehr hart waren, dass lag sehr viel daran, dass ich nicht genug Arbeit hatte. Da ich ja immer nur Montags, Mittwochs und Freitags unterrichte, hab ich an den anderen beiden Tagen relativ viel Zeit. Klara und ich haben das angesprochen und wir werden jetzt wahrscheinlich noch zusätzlich einen Chor machen und einigen Kindern Nachhilfeunterricht in Englisch geben, d.h. mit denen englische Bücher lesen und Englisch sprechen, denn einige können nicht lesen. Vielleicht werden wir auch noch an einer anderen Schule unterrichten, aber das steht noch nicht fest.
Ich hoffe, dass es jetzt wieder bergauf geht!
Ach ja was ich noch erzählen wollte ist, dass uns ständig gesagt wird wie hübsch (guapa) wir sind. Klingt irgendwie komisch, aber das nervt manchmal wirklich!
Denn man selber fühlt sich vielleicht in dem Moment einfach ganz schrecklich aussehend und die Haare sind vom Wind total verweht..., aber alle meinen man wäre hübsch. Wenn ich im Jeepney sitze und einfach so in die Gegend schaue, dann fühl ich mich nicht anders aussehend... aber wenn ich mich dann mit den Philippinos vergleiche fühl ich mich wieder total fremd und besonders dann wenn ganz offensichtlich über mich gesprochen wird! Ich hoffe, dass ich bald ein bisschen Illongo kann, dann kann ich sie auch mal drauf ansprechen und verstehe sie und ich freu mich jetzt schon über deren Gesichter Smile.
Was hier übrigens ganz anders ist, dass man überhaupt niemals ausschlafen kann. Man steht hier einfach jeden Tag spätestens um halb 6 auf und das Leben beginnt hier auch einfach sehr früh. Manchmal läuft auch schon ab 5 Uhr morgens (wenn man Pech hat die ganze Nacht) lautstark die Musik!! Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles Smile.
So jetzt werd ich fürs erste erstmal Schluss machen und mich demnächst wieder melden. Ich werd versuchen hier häufiger kurz etwas zu schreiben! Ich freu mich über alle Mails auch wenn es manchmal etwas länger dauert bis ich antworte! Sorry!
Ganz liebe Grüße
Vermiss manchmal ehrlich gesagt die kühle Herbstluft Smile
Eure Theresa

Red. "guapa" ist spanisch und steht für "hübsch", "schön", und ist weiblich durch Endung "a" und männlich durch Endung "o" guapo

Samstag, 13. September 2008

1.Rundbrief

von den Philippinen

Mabuhay an alle Interessierten, Unterstützer und Freunde,
jetzt bin ich schon über drei Wochen auf den Philippinen und möchte erstmal berichten, was ich bisher schon alles erlebt habe. Die Zeit verging wie im Flug, weil es jeden Tag etwas spannendes zu entdecken gab. Ich erzähle jetzt zunächst erst etwas von meinem Leben hier.
Ich bin am Freitag, den 22.08.2008 in Iloilo angekommen. Iloilo ist eine große Stadt, wo mittlerweile 3 indonesische Schwestern leben. Der Konvent wurde im Jahre 2005 errichtet und ist das Ausbildungshaus der Schwestern Unserer Lieben Frau in den Philippinen. Die Schwestern haben dort auch Internetzugang, sodass ich am Wochenende häufig dorthin kommen werde, um Emails zu schreiben und das Wochenende zu geniessen. Außerdem kann man dort das einkaufen, was man auf Guimaras nicht findet. In den “Malls” hier kann man wirklich alles kaufen, was man in Deutschland auch kaufen kann.
Meine ersten Tage habe ich in Iloilo verbracht, weil Sr. Elisa, die auf den Philippinen die Provinzoberin ist, noch in Manila beschäftigt war.
Danach war ich eine Woche in Antique, das ist eine Stadt zwei Stunden von Iloilo entfernt. Der Weg dorthin geht durch “Berge” und besteht eigentlich nur aus Kurven, sodass einem ganz flau im Magen wurde. Dort habe ich dann an einemVorbereitungsseminar von einer anderen Freiwilligenorganisation teilgenommen. Wir haben dort in einer Bambushütte auf Bambusmatten geschlafen, was für mich eine völlig neue und interessante Erfahrung war. Ich habe mich auch erstaunlicherweise sehr schnell daran gewöhnt. Hier ist es übrigens normal, dass man sich nur mit einem Eimer und einem Schüsselchen duscht. Das geht mit der Zeit schon immer besser und schneller. Morgens ist das Wasser zwar kalt, aber auch eine schöne Erfrischung, da es meistens heiss ist. Dennoch sehne ich mich manchmal nach einer schönen Dusche :-) . Aber das gehört hier zum Leben einfach dazu.
Nach der Woche in Antique bin ich endlich nach Guimaras gezogen. Denn es war schon sehr mühsam, die ganze Zeit aus Koffern zu leben und sich nicht richtig einleben zu können. Allerdings habe ich mich so besser in die Englische Sprache reingefunden, da der Kurs auf Englisch stattfand.
Von Iloilo benötigt man ungefähr zwei Stunden, wenn man mit dem “Van” der Schwestern fährt. Sonst ist das abhängig davon, wie lange man auf einen Jeepney (eine Art Bus) warten muß.

Ein Symbol des Personentransportes für die Philippinen, das Jeepney.

Die Fahrt von Iloilo mit dem “Pumpboat” dauert ca. 20 Minuten, das ist natürlich auch wetterabhängig. Es macht echt Spass und ich genieße es jedes Mal, wenn mir der Wind um die Nase weht und ein bisschen Wasser ins Gesicht spritzt. Beim ersten Mal war ich schon ein bisschen skeptisch, weil es nicht wirklich sicher aussieht.

Pumpboat von Iloilo nach Guimaras (Foto: Robert J. Hammerslag)

Vom Hafen in Guimaras benötigt man mit dem “Van” bis zum Konvent ca. 45 Minuten. Zunächst sind die Strassen noch geteert, aber in dem Distrikt, wo ich lebe (Sibunag) gibt es keine geteerten Strassen, sodass die Fahrt wirklich zur Slalomfahrt wird und man kräftig durchgeschüttelt wird. Ich hab immer das Gefühl, dass wir viel zu schnell fahren, aber es sind meist nur 40 km/h, weil man hier einfach nicht schneller fahren kann und wenn es regnet fährt man regelrecht durch Seen und Flüsse. Ich soll hier auch Autofahren lernen, weil man hier ohne Auto manchmal echt aufgeschmissen ist. Der Konvent liegt sehr abgeschieden, aber dafür voll im Grünen. Das ist hier wirklich ein kleines Paradies. Überall findet man Kokonusspalmen, Bananenbäume, Papayapalmen und ganz viele bunte Blumen. Es ist hier wirklich eine grüne Oase. Man kann das Meer sehen, wenn man aus dem Fenster schaut und es ist einfach fantastisch.
Die Schwestern besitzen hier ein grosses Grundstück und ca. 5 Gehminuten von dem Konvent entfernt liegt die Schule. In dem Konvent leben 3 Schwestern, 5 Lehrerinnen und wir 2 MaZ’lerinnen. Außerdem leben hier ganz viele Hühner und Hähne, die jeden Morgen ab ca. 4 Uhr krähen bis endlich alle wach sind.
Die “Elementary school” befindet sich auch hier auf dem Gelaende. Sie umfasst 5 Klassenräume und ist sehr liebevoll eingerichtet. Hier wird wirklich alles dafür getan, den Schülern und Schülerinnen eine schöne Lernatmosphäre mit einfachen Mitteln zu gestalten. Zusätzlich besitzt die Schule eine kleine Bibliothek, wo die Schüler häufig in den Pausen lesen und sich Bücher für den Unterricht ausleihen.
Die “Elemantary school” umfasst 5 Jahrgangsstufen und hier sind glücklicherweise die Klassen sehr klein, sodass auf jeden Schüler einzeln eingegangen werden kann. Die grösste Klasse umfasst 12 Schüler. Außerdem sind im Konvent noch der Kindergarten und die Vorschule untergebracht, weil die Schule keinen Raum mehr frei hatte. Die Kinder sind dort zwischen 4 und 5 Jahren alt und lernen dort einfache englische Begriffe. Die erste Gruppe ist von 7.45 Uhr bis 11 Uhr dort und die zweite Gruppe von 13 Uhr bis 16 Uhr. Die Kinder werden von einer Schwester unterrichtet. In der Schule unterrichten Lehrerinnen, die hier von Guimaras kommen und aus sehr armen Familien stammen. Diese erhalten einen geringen Lohn und können dafür hier im Konvent leben und bekommen hier Essen. Das Problem ist dabei allerdings, dass die Frauen hier fast ihren ganzen Lohn an ihre Familien abgeben müssen, sodass sie häufig nicht mehr genug Geld haben, um in die Stadt zu fahren oder am Wochenende zu ihren Familien zu fahren. Die Lehrerinnen dürfen keine eigene Familie haben, wenn sie hier unterrichten,weil sie sich völlig auf ihre Aufgaben in der Schule konzentrieren sollen.
Der Unterricht beginnt morgens um 7.45 Uhr mit dem Fahne hissen und etwas Morgensport und endet um 16.15 Uhr. Am Vormittag haben die Kinder eine Pause von 20 Minuten und dann ab 11 Uhr bis 13 Uhr Mittagspause. Sie essen dann in der Schule und müssen sich dafür Essen von Zuhause mitbringen. Manche Schüler bekommen nicht genug Essen von ihren Eltern, sodass sie von den Schwestern etwas bekommen. Das soll allerdings nicht die Regel sein, denn Sr. Elisa, die Schulleiterin, steht ständig im Kontakt mit den Eltern und besucht sie regelmässig und es finden auch regelmässige Treffen mit den Eltern statt, wo solche Dinge angesprochen werden. Häufig können die Eltern auch nicht das Schulgeld bezahlen. Wenn das nicht geschieht bekommen die Schüler nicht ihr Examen und manchmal wird dann anstatt Schulgeld den Schwestern ein Huhn geschenkt. Deshalb gibt es hier so viele und sie sind gerade dabei sie zu züchten. Übrigens holen hier die Väter ihre Kinder von der Schule ab, weil meist die Frauen arbeiten gehen.
Sr. Elisa hat erzählt, dass die Eltern sehr viel von ihren Kindern lernen und die Kinder sogar manchmal ihre Eltern darum bitten mit ihnen in die Kirche zu gehen oder ihnen die Kleidung zu waschen. Denn das wird den Kindern hier auch beigebracht, dass sie morgens gewaschen und mit sauberer Kleidung zur Schule kommen sollen. Zudem wird ihnen gesagt, dass man alles sauber halten muss und es gibt einen regelmäßigen Putzdienst. Der ist hier auch sehr wichtig, da alles sehr offen ist und der Boden sehr staubig ist.
Die Lernatmosphäre hab ich als sehr angenehm empfunden und die Kinder sind einfach total süß und lassen das Heimweh wirklich vergessen.
In den Klassen sind sehr große Entwicklungsunterschiede und Bildungsstände vorzufinden. In der 2. Klasse beispielsweise können nur ganz wenige Schüler Englisch, aber eine Schülerin spricht fasst fliessend Englisch, weil sie Zuhause auch nur Englisch spricht. Andere Schüler sprechen Zuhause überhaupt kein Englisch, weil die Eltern auch kein Englisch sprechen. Bemerkenswert finde ich dabei aber, dass sich die Kinder wirklich untereinander helfen und dann übersetzen. Das halte ich für sehr sinnvoll und sogar besser, als wenn die Lehrerin immer helfen muss. Ich versuche mich auch schon in meinen ersten Worten auf Ilongo, aber es sind wirklich nur Versuche!
Am Mittwoch war mein “erster Schultag” und es hat richtig Spass gemacht, obwohl es schon sehr anstrengend war. Da alle Klassen eine Lehrerin haben, unterrichten wir beiden MaZ’lerinnen Mape, das bedeutet Musik, Kunst und Sport. Am Montag unterrichten wir Musik in allen Klassen, mittwochs Kunst und freitags Sport. Sodass wir immer einen Tag zwischendurch Pause haben, um den Unterricht vorzubereiten, Wäsche zu waschen, was anfangs sehr mühsam war, weil ich noch nie so viel mit der Hand gewaschen habe, zu Putzen und eine kleine Pause zu machen. An den freien Tagen gehen wir außerdem in die Bibliothek und helfen den Schülern, falls sie Hilfe beim Lesen benötigen oder wir sorgen dafür das alles ordentlich ist. Das ist für den Anfang echt sehr angenehm. Zunächst unterrichten wir beiden zusammen, aber auf die Dauer werden wir uns wahrscheinlich aufteilen. Ich bin schon ganz gespannt, was ich noch alles machen werde. Vielleicht werde ich später Klavierunterricht geben, denn einige Schüler haben schon gefragt und die Schwestern haben hier im Konvent ein Keyboard, was ich sehr schön finde.
Im Musikunterricht werden wir auch Blockflötenunterricht geben. Nochmal ganz vielen herzlichen Dank für die vielen Spenden. Hier werden sie wirklich gut gebraucht und die Lehrerinnen möchten das auch lernen, sodass es auf die Dauer auch weitergeführt werden kann. Am Wochenende fahren die Schwestern manchmal zu den Familien und besuchen diese, um die Verhältnisse der Schüler zu verstehen und ihnen bei möglichen Problemen zu helfen. Denn viele Eltern kümmern sich nicht um ihre Kinder oder die Kinder leben bei ihren Großeltern oder Verwandten, weil die Mütter häufig im Ausland arbeiten und ihre ganze Familie hier allein lassen und immer nur das Geld schicken, was für alle Beteiligten sehr schwer ist. Allerdings sehen die Familien, die hier zurückbleiben nur das Geld und nicht die harte und manchmal auch schreckliche Arbeit, die dahinter steckt.
Jetzt möchte ich aber nochmal auf meinen typischen Tagesablauf zurückkommen. Morgens wird man wie gesagt sehr früh wach, spätestens gegen 5 oder halb 6. Dann steh ich auf und “dusche”, was zurzeit noch relativ lange dauert :-). Danach gibt es um 6.30 Uhr Frühstück und dann beginnt der Unterricht für mich um 9 Uhr bis um 16 Uhr. Danach ist man meist sehr müde und erledigt noch die nötigsten Dinge...und um 17 Uhr ist Abendgebet, wo ich regelmäßig dran teilnehme. Wir machen das auch häufig auf dem Balkon mit Blick aufs Meer, was ich sehr geniesse.
Hier wird es abends sehr früh dunkel (ca. 18 Uhr), sodass man einfach so früh aufstehen muss, weil man sonst nichts mehr vom Tag hat und hier ganz oft Stromausfall ist und man dann noch eher müde wird, wenn man nur Kerzenlicht hat. Das Candelight-dinner finde ich aber sehr schön und romantisch :-) .
Ich hoffe, dass jetzt ein kleiner Eindruck von meinem Leben hier entstanden ist, was wirklich komplett anders ist als mein Leben in Deutschland.
Man benötigt eine sehr lange Zeit bis man sich daran gewöhnen kann und man denkt immer, dass es viel schneller geht. Besonders die Hitze hier hat mir anfangs sehr zu schaffen gemacht. Ich hab ständig geschwitzt und das Duschen hat überhaupt nichts gebracht. Die Luft hier ist sehr schwül und feucht, das ist auch sehr ungewohnt. Normalerweise ist es im August und September nicht so heiss, weil dann die Regenzeit ist. Hier auf Guimaras mußten wir die ersten Tage immer Wasser von einem Wassertank holen, was sehr anstrengend war und auch wirklich gewöhnungsbedürftig. Ich weiss nicht wie oft ich den Wasserhahn aufgemacht hab und die Toilettenspülung benutzen wollte, aber einfach kein Wasser aus der Leitung kam. In den letzten Tagen ist es ein bisschen kühler geworden und da der Konvent auf einem Hügel liegt und hier ganz viele Fenster sind, ist es hier angenehmer geworden. Vielleicht habe ich mich aber auch so langsam an die Hitze hier gewöhnt, aber ich kann mir nicht vorstellen hier jemals Jeans tragen zu können, was hier alle Philippinos tragen, echt unglaublich. Glücklicherweise schwitzen die Philippinos genauso und ich falle nicht dadurch auf, dass ich so viel schwitze.
Ich versuche jetzt ein bisschen auf die Kultur und die Menschen einzugehen, obwohl das am Anfang noch sehr schwer ist. Aber ich beschreibe einfach meine ersten Eindrücke.
Als ich hier angekommen bin, war ich richtig erschrocken über die Armut in Iloilo und die Wohnsituation. Man stellt sich das immer alles ganz anders vor. Die Stadt insgesamt ist meiner Empfindung nach sehr dreckig und völlig mit Abgasen verpestet. Hier fahren sehr viele Jeepneys und Tricycles herum, nach für mich unerklärlichen Regeln. Da ich hier fast die

Tricycle, ein 125ccm Gefährt für kurze Strecken auf den Philippinen

Größte bin, muss ich in den Tricycles häufig den Kopf einziehen :-) . Man hört eigentlich nur ständiges Gehupe und als ich das erste Mal mit dem Jeepney gefahren bin, habe ich gedacht, dass ich niemals alleine damit klar kommen werde. Die Stadt ist echt verwirrend. Aber mittlerweile bin ich schon einmal alleine gefahren und es hat super geklappt, obwohl ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass ich falsch bin. Irgendwie sieht für mich hier alles gleich aus. Aber das wird sich bestimmt bald ändern.
Die Menschen, denen man auf der Straße begegnet, sieht man die Armut absolut nicht an. Hier in Guimaras ist das schon anders, allerdings sind die Menschen hier auch noch viel ärmer.Wenn man hinter die Fassade schaut, sieht man, dass sie häufig nur in einer Bambushütte wohnen und nicht genug Geld für Nahrung haben. Aber jeder hat hier ein Handy. Das ist wirklich unglaublich, egal wie arm oder reich. Unglaublich finde ich auch, dass sie in ihren Bambushütten Musikanlagen und Kühlschraenke haben, aber kein Geld fuer Bildung und Nahrung. Das finde ich wirklich schade.
Die Menschen sind aber sehr gastfreundlich und wirklich super nett und interessiert.
Ich fühle mich hier voll aufgenommen, insbesondere auch von den Schwestern, die sich wirklich sehr um uns kümmern und wir echt viel Spass zusammen haben.
Zum Essen gibt hier es eigentlich gar nicht viel zu sagen! Morgens, mittags und abends gibt es normalerweise Reis mit Fisch, Hühnchen oder anderes Fleisch. Das ist das typisch philippinische Essen. Die Schwestern kochen allerdings häufig auch indonesisch und somit essen wir hier auch viel Gemüse, was sehr lecker gewürzt ist. Ganz wichtig zu erwaehnen sind die Bananen, die ich jeden Tag esse und von denen es sehr viele unterschiedliche Sorten gibt. Sie sind einfach köstlich. Die Mangos hier auf Guimaras hab ich noch nicht probiert, weil gerade keine Mangosaison ist, aber die Papayas und Avocados natürlich schon.
Ich möchte jetzt langsam zum Ende kommen, weil ich das nächste Mal ja auch noch etwas schreiben möchte. Hier gibt es noch so viele Dinge, ueber die ich schreiben kann, aber ich möchte mir erstmal noch ein besseres Bild davon machen und werde dann im nächsten Rundbrief mehr auf die Kultur, die Lebensweise und die Probleme der Philippinos eingehen. Natürlich freue ich mich über Briefe und Emails und werde auf jeden Fall alle beantworten, auch wenn es manchmal etwas länger dauert! Halong! (“take care”-ganz wichtig hier in den Philippinen)
Ich schicke viele liebe sonnige Grüße nach Deutschland
Theresa Stümpel

Red. Text wurde an deutsche Umlaute angepasst.